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Rhein-Mosel-Fachklinik – 125 Jahre Zukunft

11.10.2001, Festakt zum Jubiläum der Andernacher Klinik

Mit einem Festakt feierte die Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF) jetzt ihr 125-jähriges Bestehen in der Mittelrheinhalle Andernach. Die Vergangenheit und der Wandel der Einrichtung wurde aufgezeigt und gleichzeitig warfen die zahlreichen Gäste einen Blick in die Zukunft der Klinik.

Mit einer Veranstaltungsreihe feiert die Rhein-Mosel-Fachklinik in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Begonnen wurde das Festjahr am 09. Juni mit der Eröffnung der Ausstellung „Wahnsinnsreformen – Geschichte der Psychiatrie um die Jahrhundertwende“ und dem Sommerfest der Klinik. Es folgten ein Benefizfußballspiel der Krankenhausmannschaft gegen die Traditionself des 1. FC Köln, ein ökumenischer Gottesdienst und Fachvorträge zum Thema Euthanasie, eine Podiumsdiskussion zum Thema „Drogenproblematik in der Region“, eine Fotoausstellung mit dem Namen „Gesichter einer Klinik“ und die Fachtagung des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener in Rheinland-Pfalz.

Jetzt bildete ein Festakt in der Mittelrheinhalle, moderiert von Wolfgang Willenberg, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landeskrankenhauses, den Höhepunkt der Feierlichkeiten. Der Gospelchor „The Union“ unterhielt die rund 300 Gäste. Norbert Finke, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses, blickte in seiner Eröffnungsrede zurück in die Klinikgeschichte, um „die Vergangenheit zu verstehen, die Gegenwart zu klären und die Zukunft planen zu könne.“

Die Andernacher Klinik gehörte im Rheinland zu den fünf Anstalten, die 1865 durch Beschluss des Provinzial-Landtages genehmigt und deren Bau 1876 abgeschlossen wurde. „In 125 Jahren hat die Klinik eine wechselvolle Geschichte erlebt mit allen Höhen und Tiefen, die die Psychiatrie in Deutschland in diesem Zeitraum geprägt haben“, sagte Norbert Finke.

Zur Zeit ihrer Eröffnung am 15. Oktober 1876 als rheinische Provinzial-Irrenanstalt war die Klinik für 200 Patienten geplant. Diese Plätze waren bereits im folgenden Jahr vollständig belegt und innerhalb von zehn Jahren hatte sich die Patientenzahl mit über 400  mehr als verdoppelt. Bis 1881 war Dr. Werner Nasse als erster Ärztlicher Direktor in Andernach tätig. Zu dieser Zeit war der Leitende Arzt  alleiniger Direktor der Anstalt. Unterstützt wurde er von einem zweiten Arzt, einem Assistenzarzt, einem Volontärarzt und 28 Pflegekräften. Die Verwaltung bestand aus einem Verwalter, einem Rendanten und zwei Schreibern. „Alle Klinikmitarbeiter lebten auch innerhalb der Klinik und durften diese auch nur mit Genehmigung verlasse“, erklärte Dr. Wolfgang Werner, Landesarchivdirektor des Landesverbandes Rheinland-Pfalz, in seinem Vortrag „Der Klinikalltag in Andernach um die Jahrhundertwende“.

„Aus diesen Anfängen heraus hat sich die Andernacher Klinik bis heute zu einem hochspezialisierten Zentrum für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie entwickelt“, erklärte Norbert Finke. Aus der einstigen Landesnervenklinik wurde mit dem Übergang in die Trägerschaft des Landeskrankenhauses (AöR) am 1. Januar 1997 die heutige Rhein-Mosel-Fachklinik. Die Klinik betreibt 829 Betten, beschäftigt mehr als 1000 Mitarbeiter und erzielt mit 100 Millionen Mark die Hälfte des gesamten Landeskrankenhauses.

Auf der Grundlage eines 1998/99 entwickelten Leitbildes, das für alle Einrichtungen des Landeskrankenhauses Gültigkeit besitzt, will die Klinik auch in Zukunft den Psychiatrieprozess in Rheinland-Pfalz weiter entwickeln. Dr. Fritz Hilgenstock, Ärztlicher Direktor der RMF, betonte das Bemühen der Klinik, ihrer Zeit voraus zu sein. Er unterstrich die kontinuierliche Weiterentwicklung der Klinik und war mit Norbert Finke einer Meinung: „Wir sind auf gutem Weg.“

Florian Gerster, rheinland-pfälzischer Staatsminister für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit, erklärte in seiner Festrede, dass es für die Errichtung der Kliniken früher nicht nur humanitäre Gründe gegeben habe, sie seien auch „Beruhigungspillen“ für die Bevölkerung gewesen. „Denn Mauern schützen zu beiden Seiten, die Patienten im Innern, aber auch die Bevölkerung auf der anderen Seite“, so Florian Gerster. Er begrüßte jedoch, dass die Klinik nun seit geraumer Zeit dabei sei, die Mauern einzureißen und sich zu öffnen. Der Staatsminister sprach außerdem von einem Paradigmenwechsel: Weg von starren Einrichtungen, die sich passende Patienten aussuchen, hin zu individuell zugeschnittener Hilfe für Psychiatrisch Kranke.

Landrat Albert Berg-Winters fordert mehr Anerkennung für kranke Menschen. Oberbürgermeister Achim Hütten sagte: „Die heutige RMF ist auch in der Stadtgeschichte kein wegzudenkendes Kapitel. Die Klinik ist heute mittendrin, mitten im städtischen Leben. Ich bin stolz auf die Toleranz der Andernacher gegenüber psychisch kranker Patienten. Die Stadt identifiziert sich mit der RMF.“

Am Abend wurde über die Zukunft der Psychiatrie diskutiert. Moderiert von Hans-Ulrich Steller, Sonderkorrespondent des SWR, beteiligten sich unter anderem Roswitha Beck, Gattin des Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz und Vorsitzende des Vereins zur Unterstützung Gemeindenaher Psychiatrie, Franz-Josef Koggel, Erster Beigeordneter des Landeskreises, Walter Bockemühl, Vorstandsvorsitzender der AOK-Direktion in Rheinland-Pfalz, Bernhard Scholten, Ministerialrat und Psychiatriereferent des Landes Rheinland-Pfalz, sowie Franz-Josef Wagner, Vorsitzender des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Rheinland-Pfalz an der Gesprächrunde.

Andernach Aktuell, 11. Oktober 2001

Gäste des Festaktes in der Andernacher Mittelrheinhalle
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