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Podiumsdiskussion zum Thema Drogenproblematik

29.08.2001, Veranstaltung in der Mittelrheinhalle fand viel Resonanz

Im Rahmen ihrer 125-Jahrfeier und damit verbundenen, vielfältigen Veranstaltungen hatte die Rhein-Mosel-Fachklinik zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Drogenproblematik in der Region“ in die Mittelrheinhalle Andernach eingeladen, bei der sich neben Fachleuten auch einige der zahlreich anwesenden Bürgerinnen und Bürger zu Wort meldeten. Die Drogenproblematik ist nach wie vor ein wichtiges und aktuelles Thema in allen Städten und Gemeinden innerhalb und außerhalb der Region.

Unter Barbara Harnischfeger (Leiterin des Südwestrundfunks Koblenz) beteiligten sich an der Podiumsdiskussion: Ingo Brennberger (Drogenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz), Andernachs Oberbürgermeister Achim Hütten, Frank Leis (Lehrer und Drogenbeauftragter der Geschwister Scholl-Realschule Andernach), Bettina Pfeiffer (Leiterin der bis September 2000 tätigen „AG Markt“ der Andernacher Polizei), Dr. med. Albrecht Quast (Leitender Abteilungsarzt Sucht und Sozialpsychiatrie Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach), Jörg Schmitt-Kilian (Autor und ehemaliger Drogenfahnder) uns Marion Stien (Leiterin der Jugend- und Drogenberatung des Caritas-Verbandes Koblenz e.V., Außenstelle Andernach).

In seiner Eröffnungsansprache machte der Geschäftsführer des Landeskrankenhauses (AöR), Norbert Finke, anhand des Sucht – und Drogenberichts der Bundesregierung deutlich, dass „in Deutschland im vergangenen Jahr 2.300 Menschen durch den Konsum von Drogen gestorben sind. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 12 Prozent. 13 Prozent der Zwölf- bis 25-Jährigen haben im Jahr 2000 illegale Drogen konsumiert. In Rheinland. Pfalz ist die Zahl der Rauschgiftdelikte gegenüber dem Vorjahr um 10,1 Prozent gestiegen. 88 Rauschgifttodesfälle wurden polizeilich ermittelt.“

Nach den Worten Norbert Finkes stellt unter anderem auch in Andernach sowie im übrigen Kreis Mayen-Koblenz die Drogenproblematik, nach wie vor, ein wichtiges und drängendes Problem dar. In der Stadt Andernach führte diese im vergangenen Jahr zur Bildung der „AG Markt“ der Andernacher Polizei, mit der gegen die offene Drogenszene in Andernach erfolgreich angegangen wurde. Bettina Pfeiffer, Leiterin der ehemaligen „AG Markt“ berichtete über die regionale Drogenproblematik aus ihrer Sicht.

Sowohl auf Kreisebene als auch auf städtischer Ebene setzten sich Arbeitskreise mit Suchtpräventionsmaßnahmen im regionalen Umfeld auseinander. An vielen Schulen der Region gehört das Thema Drogenprävention in den unterschiedlichsten Formen zum selbstverständlichen Bestandteil des Unterrichts. Frank Leist, Beauftragter der Geschwister Scholl-Schule Andernach, berichtete über seine Erfahrungen, die er in zahlreichen Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern in puncto Drogenkonsum beziehungsweise –prävention machte.

Seit Beginn des Jahres 2001 gibt es in der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach eine neue Station zur qualifizierten Entzugsbehandlung drogenabhängiger Patientinnen und Patienten. Die Etablierung dieses neuen Behandlungsangebotes geht auf einen Beschluss des Landesausschusses für Krankenhausplanung vom Mai 1996 zurück. Ingo Brennberger machte deutlich, dass der volkswirtschaftliche Schaden durch Drogen bundesweit 40 Millionen Mark betrage, wobei hier legale Suchtstoffe wie Alkohol und so weiter, mit dazu beitrügen. Das Ergebnis der Beratungen dieser Arbeitsgruppe war die Einrichtung von 40 Betten zur qualifizierten Entzugsbehandlung Drogenabhängiger in Rheinland-Pfalz, davon 20 Betten in der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach für den nördlichen Landesteil.

Klinische Behandlungsmaßnahmen waren jedoch nicht das Hauptthema des Abends. In der Diskussionsrunde versuchte man mit aller Behutsamkeit auf die Fragen des anwesenden Publikums einzugehen, wobei es sich hier um Mütter handelte, die zum einen an den in der Region angebotenen Präventionsmaßnahmen interessiert waren und solche, die bereits seit vielen Jahren mit der Suchtproblematik im engsten Familienkreis konfrontiert sind.

Im Anschluss an die Rede von Norbert Finke wies Dr. Richard Auernheimer, Staatssekretär für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit, in einem kurzem Grußwort darauf hin, dass es sich bei dieser Veranstaltung um ein Zeichen der Öffnung der Klinik und der Veränderung der Psychiatrie in Rheinland-Pfalz handelt.

Unter großem Applaus des Publikums in der Mittelrheinhalle machte Jörg Schmitt-Kilian deutlich, dass Eltern und Kinder gleichermaßen lernen sollten, über ihre Gefühle und Ängste offen zu sprechen. Auch dürften die Ressentiments von „sogenannten Freunden“, Nachbarn oder gar Verwandten kein Grund dafür sein, vorhandene Probleme „unter den Tisch zu kehren“.

Andernacher Stadtzeitung, 29. August 2001

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