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Thema Demenz wird mehr und mehr zum Problem

10.03.2006, Spezialist von Andernacher Gerontopsychiatrie: Krankheit fällt oft auf, wenn Betroffene wegen Depression zum Arzt gehen

Demenz ist eine Krankheit, die in den kommenden Jahren zu einem immer größeren Problem werden dürfte. Das sagt Dr. Andreas Korn, Leitender Abteilungsarzt der Gerontopsychiatrie der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach. Die Klinik unterstützt ein Projekt zur Entlastung von Familien, die Demenzkranke pflegen. Im RZ-Interview sprach Dr. Korn darüber, was es im Umgang mit der Krankheit zu beachten gilt und wie es um Therapien bestellt

Wodurch ist die Krankheit charakterisiert?

Dr. Andreas Korn
Sie ist durch einen irreversiblen Verlust körperlicher und geistiger Leistungen gekennzeichnet. Dazu gehören die gestörte Merkfähigkeit des Gedächtnisses, eine Einschränkung der Sprache sowie der Geschicklichkeit der Hände. Das ist aber ein schleichender Prozess, der sich bis zu zehn Jahre entwickeln kann. Da liegt auch die Schwierigkeit, anfangs sind die Symptome noch nicht sichtbar und machen so eine frühe Diagnose schwierig.

Wie wird die Krankheit denn dann diagnostiziert?

Dr. Andreas Korn
Es beginnt häufig mit einer Depression. Sie resultiert meist daraus, dass der Betroffene merkt, dass ihm viele Dinge schwerer fallen und sich so eine Unzufriedenheit einstellt. Wenn jemand deshalb zum Arzt geht, wird dabei oft die Demenz festgestellt.

Lässt sich heute schon abschätzen, welche Dimension die Demenz in den kommenden Jahren annehmen wird?

Dr. Andreas Korn
Das Problem ist riesig. Die Demenz nimmt von ihrem Umfang her erheblich zu. Momentan sind in Deutschland rund eine Million Menschen an ihr erkrankt, ein Anteil von sieben Prozent der Menschen im Alter von 65 Jahren und älter. Die Zahl der alten Menschen wird von 13 Millionen heute bis zum Jahr 2035 nach heutigen Schätzungen auf 23 Millionen steigen. Bis 2010 wird die Zahl der Erkrankten wahrscheinlich jährlich um 23.000 zunehmen, ab diesem Zeitpunkt um bis zu 40.000. Denn die Krankheit tritt meist im höheren Lebensalter auf. Und je älter ein Mensch wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass er an Demenz erkrankt.

Aber eine Möglichkeit, die Krankheit zu besiegen gibt es noch nicht?

Dr. Andreas Korn
Bislang ist es nur möglich, sie zu behandeln und Symptome wie Wahnvorstellungen oder die abnehmende Merkfähigkeit zu lindern. Früher oder später wird aber sicherlich eine wirksame Therapie entwickelt werden, denn die Demenz wird mehr und mehr zu einem weltweiten Problem. Und auch die Kosten der Behandlung nehmen damit zu, weshalb gerade auch das Projekt der Sozialstation Mendig / Pellenz so wichtig ist.

Ihr Haus unterstützt das Projekt – ist es ein Modell von Dauer und auch für andere Landesteile?

Dr. Andreas Korn
Zuerst muss man Erfahrungen sammeln und sehen, wie das Projekt angenommen wird. Dazu ist eine gewisse Geduld nötig. Wenn es sich bewährt, sollte es auf jeden Fall ausgeweitet werden.

Rhein-Zeitung, 10. März 2006

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