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Eine Lobby für psychisch Kranke

03.11.2005, Seit zehn Jahren kümmert sich der „Verein zur Unterstützung Gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz“ um Patienten

Die gesellschaftliche Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen ist seit seiner Gründung 1995 das Hauptziel des Vereins zur Unterstützung Gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz. Gestern wurde in der Andernacher Rhein-Mosel-Fachklinik das Jubiläum des Vereins gefeiert.

Die Kuratoriumsvorsitzende und Ehefrau des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten, Roswitha Beck, blickte bei ihrer Ansprache auf die Gründungsjahre des Vereins und das bisher Geleistete zurück. Sie betonte, dass sie ihre Arbeit gerne auch über die Landtagswahlen im kommenden Jahr hinaus fortsetzen möchte. Denn die Psychiatrie, die sich seit ihrer Reform im Land gut entwickelt habe, brauche prominente Unterstützung.

Ein Ziel sei aber bereits jetzt erfüllt: Psychische Erkrankungen seien heute kein Tabuthema mehr. Beck will die Menschen weiter dabei unterstützen, sich nicht zu verstecken, sondern von ihrem Schicksal in der Öffentlichkeit zu berichten, da einer Stigmatisierung der Krankheit entgegengewirkt werden müsse.

„Die Einstellung der Gesellschaft zu psychisch Kranken hat sich in den vergangenen Jahren verbessert“, hob sie hervor und formulierte zugleich auch zwei Ziele für die Zukunft. „Ich will dazu beitragen, dass Kinder psychisch kranker Eltern die Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Außerdem müssen die Patienten nun wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten.“

Dass die Psychiatrie in gewissem Maße von der wirtschaftlichen Lage abhängig ist, erläuterte der Ltd. Abteilungsarzt der Gerontopsychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik, Dr. Andreas Korn. Denn in Phasen der wirtschaftlichen Schwäche würden auch zunehmend die Schwachen selbst übersehen und die soziale Integration der Patienten sei daher „in großer Gefahr“. Es sei ein parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung verlaufender 30-Jahres-Zyklus zu beobachten, der zwischen wichtigen Entwicklungen und Stillstand pendele.

In den vergangenen Jahren seien aber „erfreuliche Verbesserungen“, wie beispielsweise die Einrichtung patientennaher Angebote in der Psychiatrie, auszumachen gewesen. Auch Andernach als Stadt leiste dabei Bemerkenswertes für die Patienten, die nicht zuletzt durch die Lage der Klinik in einem Wohngebiet nicht ausgegrenzt würden.

Norbert Finke, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses (AöR), lobte die Leistungen des Vereins, da er „wichtige Beiträge zur Umsetzung der Psychiatriereform geleistet“ habe. Durch diesen Umbruch seien „enorme Fortschritte“ erzielt worden, auch wenn er die Klinik vor neue Herausforderungen gestellt habe. Das Landeskrankenhaus, das sich schon bei seiner Gründung den Zielen der Psychiatriereform verpflichtet habe, „wird sich auch weiterhin für die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen der gemeindenahen Psychiatrie einsetzen“, betonte Finke.

Frank Hofferberth, stv. Vorsitzender des Gesamtpersonalrates des Landeskrankenhauses (AöR), erklärte, dieser Wandel habe sowohl vorhandene Stellen erhalten als auch neue geschaffen. Dass der Verein die Arbeit mit den Patienten unterstütze, sei eine positive Entwicklung, denn „psychisch Kranke haben keine Lobby“.

Rhein-Zeitung, 3. November 2005

Roswitha Beck, Kuratoriumsvorsitzende des Vereins, im Gespräch mit Staatssekretär Dr. Richard Auernheimer, Geschäftsführer Norbert Finke und AOK-Vorstandsvorsitzendem Walter Bockemühl.
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