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Leserfragen zum Schlaganfall beantwortet

18.10.2005, Mehr als 15.000 Menschen jährlich sind in Rheinland-Pfalz betroffen

Ein Schlaganfall kommt in der Regel nicht wie aus heiterem Himmel, sondern kündigt sich durch allerlei Symptome an. Diese werden jedoch oftmals nicht ernst genommen, so dass wertvolle Zeit verloren gehen kann, in welcher bereits eine adäquate Therapie hätte eingeleitet werden können.

So ist der Schlaganfall statistisch betrachtet die dritthäufigste Todesursache in Europa und die häufigste Ursache für bleibende Behinderung im Erwachsenenalter. Allein in Rheinland-Pfalz erleiden jährlich mehr als 15.000 Menschen einen Schlaganfall, in der gesamten Bundesrepublik sind es jährlich sogar etwa 165.000 Menschen.

Einem Großteil dieser Betroffenen kann heutzutage sehr gut geholfen werden. Voraussetzung ist jedoch, dass sie unverzüglich nach Auftreten der Beschwerden in die Klinik kommen. Das Zeitfenster hierfür beträgt drei Stunden. Diese ersten drei Stunden nach dem Auftreten der ersten Beschwerden sind entscheidend für die Behandlung des Schlaganfalls. Nur so können Folgen begrenzt oder sogar vollständig vermieden werden.

Die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach und das St. Nikolaus Stiftshospital Andernach kooperieren seit Juli dieses Jahres in der Schlaganfallbehandlung miteinander und betreiben eine regionale Schlaganfalleinheit, die Stroke unit, mit vier Betten. Auf lange Sicht, wie Chefarzt Dr. Christian Bamberg von der Rhein-Mosel-Fachklinik erklärte, strebe man jedoch bereits eine Erhöhung auf acht Betten an.

Bei einer Leseraktion des Plachner Verlages beantworteten Chefarzt Dr. Christian Bamberg, Oberärztin Dr. Ulrike Lange und Oberarzt Dr. Roland Schneider aus der Abteilung für Neurologie und Klinische Neurophysiologie der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach die Fragen der Leser rund um das Thema Schlaganfall.

Schlaganfall – was ist das eigentlich?

Ein Schlaganfall lässt sich als Folge einer plötzlichen Durchblutungsstörung des Gehirns bezeichnen. Infolge einer Minderdurchblutung (Ischämie), verursacht durch eine Verstopfung eines zum Gehirn führenden Blutgefäßes, kommt es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff, wodurch Nervenzellen in den jeweils betroffenen Hirnregionen absterben können. Es entsteht also ein Infarkt, ein sog. Hirninfarkt.

Diese Minderdurchblutung kann, wie bereits erwähnt, durch eine Thrombose (Gefäßverschluss durch Blutpfropf) oder aber durch eine Embolie (Blutung durch den plötzlichen Riss eines Blutgefäßes) verursacht werden.

Wie äußert sich ein Schlaganfall eigentlich?

Folgende Beschwerden können Anzeichen, Symptome eines Schlaganfalls sein: halbseitige Lähmung, Taubheit, Schwindel und Übelkeit, Störungen der Koordination, Kopfschmerzen, Seh- und Sprachstörungen.

Welche Personen sind besonders gefährdet? Was sind die Risikofaktoren?

Grundsätzlich kann ein Schlaganfall in jedem Alter auftreten und ist keine Krankheit, die ausschließlich ältere Menschen betrifft. Jedoch nimmt die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, mit steigendem Alter dennoch zu. Genetische Dispositionen spielen dabei ebenfalls eine Rolle. In besonderem Maße gefährdet sind Menschen mit hohem Blutdruck, Raucher, Diabetiker, Menschen mit Fettstoffwechselstörungen und Menschen, die unter Herzrhythmusstörungen leiden.

Was soll ich tun, wenn ich glaube, dass ich oder eine andere Person einen Schlaganfall erlitten hat?

Wichtig ist, unverzüglich den Rettungsdienst zu alarmieren, da jede Minute zählt. Wählen Sie die Telefonnummer 19222 und schildern Sie Ihre Symptome sowie Ihren Verdacht, dass Sie selbst oder die betroffene Person einen Schlaganfall erlitten haben könnten. Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, so dass der Patient schnellstmöglich behandelt werden muss.

Zudem kann man sich auch direkt an die „Stroke unit“, die Schlaganfalleinheit der Rhein-Mosel-Fachklinik, wenden, die unter der Telefonnummer 02632 / 407-75888 zu erreichen ist, so dass dort zur Behandlung eines möglichen Schlaganfalls bereits erste Vorbereitungen getroffen werden können.

Wie sehen die Therapiemöglichkeiten aus?

Kommt ein Patient innerhalb der ersten drei Stunden nach Auftreten der Symptome in die Klinik, so kann bei ihm, sollten keine gravierenden Faktoren dagegen sprechen, nach einer ausführlichen Voruntersuchung samt Computertomographie eine Akuttherapie in Form einer Lyse-Behandlung durchgeführt werden. Mittels dieser Behandlung, die den Patienten künstlich in den Zustand eines Bluters versetzt – die Blutgerinnung wird also für einige Zeit gehemmt – kann ein Blutgerinsel aufgelöst werden, so dass ein minderversorgtes Hirngebiet wieder durchblutet werden kann.

Die ersten drei Stunden entscheiden über das Ausmaß der Schäden. Erfolgt eine schnelle Behandlung, so können Langzeitschäden im besten Fall fast vollständig verhindert werden.

Wie kann ich einem Schlaganfall vorbeugen?

Indem man Risikofaktoren mindert bzw. vollständig ausschließt, kann einem Schlaganfall vorgebeugt werden. Lassen Sie sich deshalb regelmäßig von Ihrem Hausarzt durchchecken und achten Sie auf eine gesunde Lebensweise. Besonders der Blutdruck sollte im Auge behalten werden. Bereits bei einem systolischen (oberen) Wert von über 140 mmHg und einem unteren Wert von über 90 mmHg kann von Bluthochdruck gesprochen werden. Untersuchungen haben ergeben, dass eine Senkung von erhöhten Blutdruckwerten das Schlaganfallrisiko um bis zu 40% vermindern kann.

Andernach Aktuell, 18. Oktober 2005

v.l.n.r.: Oberärztin Dr. Ulrike Lange, Chefarzt Dr. Christian Bamberg, Oberarzt Dr. Roland Schneider, Abteilung für Neurologie und Klinische Neurophysiologie der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach
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