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Abhängige sehen Problem oft nicht ein

09.04.2005, Psychologe Dr. Martin Zobel referierte in der Rhein-Mosel-Fachklinik zum Thema Alkoholsucht

Angekündigt war eine Autorenlesung zum Thema "Wenn Eltern zu viel trinken". Doch spätestens bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass nicht nur die Probleme alkoholabhängiger Elternteile und ihrer Angehörigen die in der Tagesstätte der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach zusammengekommenen Menschen beschäftigen. Auch noch sehr junge Trinker bereiten großen Kummer: So berichtete eine Frau aus Koblenz von ihrem 23-jährigen Sohn, dessen Gesundheit durch maßlosen Alkoholkonsum bereits stark beeinträchtigt sei. "Aber ich kann doch nicht einfach zusehen, wie sich unser Sohn zugrunde richtet", sagte sie unter Tränen.

Unmittelbar zuvor hatte der Referent des Abends, der Koblenzer Dipl.Psychologe Dr. Martin Zobel, erklärt, Suchtkranken helfe man am ehesten dadurch, dass man ihnen nicht helfe. Was allerdings nicht so zu verstehen sei, dass man alkoholkranke Menschen völlig sich selbst überlassen solle. Doch zeigten Partner oder nahe Verwandte von Suchtkranken immer wieder typische Fehlverhaltensmuster, indem sie etwa den Alkoholismus ihres Familienmitglieds leugneten, herunterspielten oder schützend die Hand über den Betroffenen hielten. Außerdem, so betonte Dr. Zobel, müsse der Wille, gegen die Sucht anzugehen, von dem Betroffenen selbst ausgehen.

"Das Problem vieler Abhängiger ist, dass sie nach eigener Ansicht kein Alkoholproblem haben", so der Psychologe. Wann bei einem Menschen eine Alkoholabhängigkeit vorliegt, erklärte der Experte wie folgt: Da sei zum einen das Phänomen des "Pegeltrinkers", der täglich und in immer kürzeren Abständen trinke, um seine Entzugserscheinungen in den Griff zu bekommen. Dr. Zobel: "Dass sie abhängig sind, gestehen sich aber selbst diese Menschen häufig nicht ein."

Daneben gebe es noch jenen Trinkertypus, der etwa nur am Wochenende trinke, dann aber zumeist bis zum Kontrollverlust. "Eine andere gängige Formel lautet: Wenn der Alkohol anfängt. Probleme zu machen - ob beruflich oder privat - liegt ein Alkoholproblem vor."

Rhein-Zeitung, 9. April 2005

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