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Bilder brechen das Tabu

19.03.2005, Ganz private Kunstwerke an einem öffentlichen Ort: Ausstellung im Kreishaus thematisiert Missbrauch

Verzweifelt war sie. Allein. Und sie suchte sich selbst zu strafen für das, was man ihr angetan hatte. Doch dann begann die Künstlerin Helga Bode das zu malen, was sie fast zerstört hätte: Die Leiden ihrer Kindheit, Missbrauch, Qual. Die aufrüttelnden Bilder sind nun im Kreishaus ausgestellt. Sehr private Bilder an einem öffentlichen Ort.

Mit einer Vernissage wurde die Ausstellung „Bilder gegen das Schweigen“ der Künstlerin Helga Bode eröffnet. Die aufrüttelnden Bilder handeln von Gewalt und sexuellem Missbrauch. „Wir haben uns zu Beginn, als uns diese Ausstellung angeboten wurde, gefragt, ob die Kreisverwaltung der richtige Ort für eine solche Thematik ist“, gab Erster Kreisbeigeordneter Bernhard Mauel bei der Begrüßung zur Vernissage zu. Über sexuellen Missbrauch zu sprechen, falle schwer. Sich angesichts der Bilder damit auseinander zu setzen, falle ungleich schwerer. Dennoch zeigte sich Mauel froh darüber, dass man die Herausforderung dieser Ausstellung angenommen habe.

Die Bilder, in Pastell und Kohle gehalten, sind im Sommer 2003 und Frühjahr 2004 entstanden. Helga Bode setzt sich in kräftigen Farben mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander. Ihre Kindheit und Jugend waren geprägt von erlittenem Missbrauch und Misshandlungen. Mit therapeutischer Hilfe gelang es ihr, sich mit dem eigenen Leben nach Bulemie und Selbstzerstörungsmechanismen neu auseinander zu setzen. Sie will Betroffene ermutigen, ihr Schweigen zu brechen, denn „jeder Mensch trägt einen unantastbaren Kern in sich“, wie der Untertitel der Ausstellung lautet.

Die Bilder gegen das Schweigen sind Ausdruck des Unsagbaren. Helga Bode hat rund 40 Exponate zusammen gestellt, die Aufforderung sein sollen, „darüber“ zu sprechen. Hinsehen statt wegsehen, reden statt schweigen, helfen statt im Stich lassen, fordert auch Dr. Stefan Elsner, stv. Ärztlicher Direktor der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach. In seinen Ausführungen zur Ausstellung betont er: „Gewalt und Missbrauch dürfen kein Tabuthema sein. Es muss deutlich gemacht werden, was sexueller Missbrauch in Kindheit und Jugend bedeutet.“

Im Koblenzer Kreishaus hofft man nun darauf, dass sich möglichst viele Menschen dem Thema des sexuellen Missbrauchs nähern. „Wir wissen um die hohe Emotionalität der Ausstellung“, betont Mauel. „Wir wünschen uns ganz einfach Besucher, die mit wachen Augen, hellem Verstand und offenem Herzen an die Bilder herangehen.“ Helga Bode und ihrem Mut, den Weg in die Öffentlichkeit zu suchen, ist es zu wünschen.

Rhein-Zeitung, 19. März 2005

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