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Sich erinnern und begreifen

04.02.2004, Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach gedachte der Euthanasie-Opfer

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von den Soldaten der Roten Armee befreit. Auf Anregung des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ist dieser Tag, der 27. Januar, im Jahre 1996 zum bundesweiten Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt worden.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten wirkte sich in der Psychiatrie unmittelbar und einschneidend aus: Bereits im Juli 1933 erfolgte das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, durch das bis 1945 mehr als 400.000 Menschen zwangssteriliert wurden.

Im Oktober 1939 unterzeichnete Hitler einen fünfzeiligen, handschriftlichen Text, der Grundlage für das sogenannte „Euthanasie“-Programm war, in dessen Verlauf mehr als 200.000 seelisch kranke und geistig behinderte Menschen im damaligen Reichsgebiet ermordet wurden.

Wie viele andere psychiatrische Krankenhäuser war auch die Andernacher Klinik zu dieser Zeit in das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten eingebunden. Als sog. „Zwischenanstalt“ diente sie der Weiterverlegung von Patientinnen und Patienten in die damalige Tötungsanstalt in Hadamar.

Anlässlich dieses besonderen Datums wurde auch in der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach der Opfer des Nationalsozialismus mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Klinikkirche St. Thomas und einer anschließenden Kranzniederlegung durch Bürgermeister Josef Nonn und Pflegedirektorin Rita Lorse am Euthanasie-Mahnmal hinter der Christuskirche gedacht.

„Die Erinnerung an die historischen Tatsachen wachzuhalten, ist weiterhin notwendig“, so Dr. Fritz Hilgenstock, Ärztlicher Direktor der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach, in einer kurzen Ansprache bei der Kranzniederlegung, „um dazu beizutragen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen können.“

Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte, die Aufarbeitung der Vergangenheit und das Erinnern geht alle an. Es ist bedeutsam, dass auch bei jüngeren Generationen ein Bewusstsein für das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte heranwächst. Lange wird es keine Zeitzeugen mehr geben und dann liegt es an uns allen, die Erinnerung trotz einer wachsenden biographischen Distanz zu den Ereignissen weiterzutragen.

Andernach Aktuell, 4. Februar 2004

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