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Kunst macht Verlauf der Demenz deutlich

15.06.2002, Ausstellung in der RMF mit Bildern von Carolus Horn noch bis 23. Juni

Carolus Horn erkrankte an Alzheimer. Er ging aber weiterhin seiner künstlerischen Tätigkeit nach und schuf bis zu seinem Tod in 1992 viele Bilder. Davon zeugt eine Ausstellung im Foyer des Klinischen Zentrums in der Rhein-Mosel-Fachklink Andernach (RMF).

"Wie aus Wolken Spiegeleier werden", so lautet der Titel einer Ausstellung mit Werken des bekannten Werbegraphikers Carolus Horn in der RMF. Er kreirte Slogans der DB ("Alle reden vom Wetter. Wir nicht") und Esso ("Es gibt viel zu tun. Packen wir's an"). Seine Bilder belegen eindrucksvoll die künstlerische Entwicklung von "gesunden Zeiten" über die Zeit der beginnenden Erkrankung an Alzheimer bis zum fortgeschrittenen Stadium.

Dr. Andreas Korn, Leitender Abteilungsarzt der Gerontopsychiatrie in der RMF, informierte bei der Eröffnung der Ausstellung die Besucher über die "Alzheimersche Demenz", bevor Dr. Jörg Eberling von einer Pharma GmbH (Nürnberg) diese in seinem Vortrag vertiefte und eine Verbindung zwischen der Krankheit und den künstlerischen Werken Carolus Horns herstellte. "Das Unheimliche ist eigentlich, dass viele Alzheimer-Erkrankte für tot erklärt werden, lange bevor sie sterben", sagte Eberling. Und: "Oft ziehen sich Angehörige, die die Krankheit nicht kennen, aus Angst etwas falsch zu machen, zurück. Der Betroffene wird allein gelassen. Dies zu vermeiden und Möglichkeiten zu finden, den Patienten zu begleiten, indem die Krankheit verstanden wird, ist Anlass der Ausstellung."

Er appellierte daran, Auffälligkeiten wie gestörte Merkfähigkeit, Orientierungs- und Sprachprobleme oder Aggressivität "nicht mit normalen Alterserscheinungen" zu entschuldigen, sondern aufmerksam zu werden und nachzufragen. Denn in der Anfangsphase, besteht nach seinen Worten noch die größte Möglichkeit, die Erkrankten in diesem Stadium zu halten. Schreite die Krankheit jedoch weiter fort, gehe das Kurzzeitgedächtnis innerhalb weniger Wochen immer mehr verloren. Schließlich lebten an Alzheimer erkrankten Patienten nur noch in ihrer ersten Lebenshälfte - für die Angehörigen "in einer fremden Welt".

Wie an den Bildern Horns deutlich werde, seien immer noch Fähigkeiten vorhanden, die es zu aktivieren und zu fördern gelte. Voraussetzung dafür sei allerdings das besondere Verständnis dafür, dass sich das Sehen und Fühlen der Patienten verändert habe. Wörtlich: "Wir können an der Welt des Erkrankten teilhaben, er jedoch nicht mehr an unserer."

Rhein-Zeitung, 15. Juni 2002

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