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Die Angst vor dem Rückfall bleibt

10.10.2001, Wille zur Abstinenz von Drogen ist Voraussetzung für die freiwillige Therapie in der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach

Besucher müssen durch eine Schleuse, damit Drogen draußen bleiben. Die Bewohner von „Haus Martinsberg“ in der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach sind heroinabhängig. Und mittendrin im qualifizierten Entzug.

„Haus Martinsberg ist ein beschützender Raum, kein Gefängnis“, erläutert Dr. Albrecht Quast, Leitender Abteilungsarzt für Sucht und Sozialpsychiatrie in der RMF. Für seine Patienten will er den Einstieg in den Ausstieg. Der schmerzhafte Entzug wird mit Hilfe von Medikamenten oder Substitution (Methadon/Polamidon) erleichtert.

Dr. Quast fährt zweigleisig: „Neben dem Entzug schaffen wir eine verbindliche Tagesstruktur. Das lenkt vom Entzug ab und schafft neuen Lebenssinn.“ Ergo- und Sporttherapeuten stehen dafür zur Verfügung. Mit einer Psychologin und Sozialarbeiterin erfolgt die psychosoziale Betreuung. „Einen klaren Kopf schaffen“, sei der erste Schritt in den Ausstieg. „Die psychische Abhängigkeit ist schlimmer als die von der Droge selbst“, so die Experten. Deshalb müssen sich die insgesamt elf Patienten mit sich selbst auseinander setzen. So wie Iris, seit 20 Jahren auf Shore: Mit Valium und Alkohol fing es für sie an. „Aus Protest“, sagt sie. „Ich war einsam, brauchte Zuneigung und Aufmerksamkeit.“

Ähnlich ging es Julia: „Die Krankheit entsteht, bevor du die erste Droge genommen hast“, behauptet sie und wird selbstkritisch: „Man fühlt sich zu gefährlichen Sachen hingezogen. Die Risikobereitschaft ist höher, wenn man Probleme hat. Quast nennt die Faktoren, die Unheil bringend zusammen kommen: Erziehungsstil, Familienverhältnisse, Umfeld, eine labile Persönlichkeitsstruktur. Eduard will nach 25 Jahren endlich weg von der Droge. Wie Eric nach zehn Jahren. „Ich hab die Tür fest hinter mir zugemacht“, hofft er. Robin hatte es sich leichter vorgestellt. Ohne die Droge weiß er nur wenig mit sich anzufangen. An den tagesfüllenden Beschaffungsstress war er zu lange gewöhnt. Dann überrascht Julia sogar den erfahrenen Therapeuten: „Man sollte Methadon und Polamidon verbieten“, schimpft sie, „oder damit nur stationär arbeiten. Die Substitution senkt zwar die Kriminalität. Sie heilt aber nicht.“ Sie spricht aus, wovor alle Angst haben: vor dem Rückfall, auch wenn der entschiedene Wille zur Abstinenz da ist. Dieser Wille ist Therapievoraussetzung. In der qualifizierten Entzugstherapie soll er gefördert, in einer sich anschließenden Therapie gefestigt werden.

Rhein-Zeitung, 10. Oktober 2001

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