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Arbeitstherapie galt als Allheilmittel

08.06.2001, In Festschrift zur 125-Jahr-Feier der Rhein-Mosel-Fachklinik wird Psychiatriegeschichte beleuchtet

"Die rheinische Psychiatriegeschichte um die Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg" wird in Wort und Bild im Klinikum der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach dargestellt. Am Samstag, dem "Tag der Psychiatrie", wird die Ausstellung eröffnet. Sie ist eingebunden in die 125-Jahr-Feier der Klinik, wozu eine Festschrift erscheint.

Über die Anfänge der heutigen RMF als "Provinzialirrenanstalt" in den Jahren 1869 und 1876 (Eröffnung) hat die RZ in der Mittwoch-Ausgabe berichtet. Von Anfang an gehörte zu der Anstalt eine landwirtschaftlich nutzbare Fläche. "Sie sollte nicht nur die ökonomische Selbstversorgung der Anstalt sichern, sondern den Patienten sinnvolle und angenehme Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, soweit diese dazu in der Lage waren. Lange bevor Hermann Simon 1923 den Begriff der ,Arbeitstherapie' prägte, wurde in der rheinischen Psychiatrie die Beschäftigung der Kranken hoch geschätzt. Werner Nasse hatte in seinem Bericht über sein neues Wirkungsfeld in Andernach 1880 notiert: Für die Ruhe und Ordnung, für das Wohlbefinden und die Heilung und Besserung der Kranken ist eine regelmäßige und mannigfaltige Beschäftigung derselben weitaus die Hauptsache", wie in der Festschrift nachzulesen ist.

Werner Nasse, "Geheimer Medizinalrat" war der erste ärztliche Direktor der Anstalt. Im Eröffnungsjahr (1876) wurden zwischen Oktober und Dezember die ersten 54 Patienten aus dem Regierungsbezirk Koblenz, darunter einige Patienten aus den Anstalten in Siegburg und von St. Thomas, in die neue Anstalt überführt. 1877 waren bereits 200 Plätze belegt. Die Anstalt sollte vor allem Heilanstalt sein und Pflegepatienten nur in kleiner Anzahl aufnehmen.

Die ersten Jahre in Andernach erscheinen im Spiegel der Tätigkeitsberichte von Anfangsunruhen bestimmt. Bereits 1881 fand der erste Direktorenwechsel statt: Nasse wurde von Friedrich Nötel (Merzig) abgelöst. Über einen ungemein starken Wechsel beim Pflege- und Wartpersonal wird ebenfalls berichtet. Statistiken der ersten Jahre belegen einen jährlich nahezu kompletten Wechsel der Pflegerinnen und Pfleger.

Auf dem Gelände ging die Bautätigkeit ununterbrochen weiter. Schon bald waren zahlreiche bauliche Ergänzungen und Änderungen erforderlich. Als erhebliche Störung beschrieb Nötel die nötig gewordenen Umbauarbeiten an fast allen Wasserleitungen sowie den Toiletten-, Wasch- und Badeanlagen in der voll belegten Anstalt und bei laufendem Betrieb. 1879 brannte das Frauenhaus (Isolierhaus für Unruhige) fast vollständig ab und wurde durch einen Neubau ersetzt, der Ende 1880 in erweiterter Form bezogen werden konnte. Acht Jahre später wurde das Männerhaus erweitert. Bereits 1879 war der Krankenbestand in Andernach auf 300 Patienten gestiegen. Kaum zehn Jahre nach der Eröffnung, 1885, lag die Patientenzahl bei 400, 1887 überschritt sie 450 Patienten. 1901 waren 81 Pflegerinnen und Pfleger dort beschäftigt. Nach umfangreichem Ausbau konnte die Anstalt 1911 offiziell 500 Patienten "fassen". Die Umbauarbeiten wurden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen.

Rhein-Zeitung, 08. Juni 2001

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