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Raus aus der Station - rein in das neue Wohnheim

23.07.1997, 39 Schwerstbehinderte ziehen in saniertes Gebäude der Rhein-Mosel-Fachklinik um

5,5 Millionen Mark kostete die Generalsanierung des Gebäudes "Frauen II" der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach (RMF). Künftig finden hier 39 geistig Behinderte ein neues Zuhause.

Das sanierte Gebäude stammt noch aus der Gründerzeit der 1872 gegründeten "Irrenanstalt bei Andernach". "Es ist beeindruckend, was Bauleute aus einem vormals desolaten Gebäude gezaubert haben", erklärte Dr. Fritz Hilgenstock bei der Feierstunde zur Übergabe des neuen Wohnheims. Der ärztliche Direktor der RMF ist sich sicher, dass das ehemalige Gebäude „Frauen II", jetzt „Haus Rheintal“, eine "grundlegende Verbesserung" der Betreuung von geistig und schwerstbehinderten Menschen bedeutet. Der Patient stehe wieder im Vordergrund, nicht der Gesundheitsapparat.

Das in die RMF integrierte neue Wohnheim soll die Lebensbedingungen der bislang in den "Langzeitbereichen" der Klinik untergebrachten geistig behinderten Menschen verbessern. Raus aus der Klinik - rein in die "enthospitalisierte Betreuung", brachte es Geschäftsführer Norbert Finke auf den Punkt.

Haus Rheintal bietet 39 Schwerstbehinderten eine neue Qualität der Versorgung. Sie werden in jeweils vier abgegrenzten Wohngruppen mit eigenen Sanitärbereichen, Küchen und Aufenthaltsräumen leben und betreut. Eine entspanntere Atmosphäre der Heimbewohner untereinander führt zu neuen individuellen Entwicklungschancen, hofft Finke.

Trotz leerer Kassen gibt das Land in diesem Jahr 850 Millionen Mark für Behinderte aus, bemerkte der Landesbehindertenbeauftragte Klaus Jensen. Der Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit wehrte sich gegen Behauptungen in der Bevölkerung, Behinderte seien bereits gut genug versorgt: "Die Verbesserungen der Lebensumstände behinderter Menschen sind ein Gradmesser für den Sozialstaat."

Ziel der modernen Psychiatrie ist es, geistig behinderte Menschen dezentral und heimatnah unterzubringen, stellte Jensen klar. Das Wohnheim Haus Rheintal sei ein Bestandteil dieses Konzepts, auch wenn es für einzelne Bewohner zunächst nur eine Durchgangsstation sein mag.

Rhein-Zeitung, 23. Juli 1997

 

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