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Klinik gedachte der Nazi-Opfer

28.01.2009, Euthanasie und Zwangssterilisation in Andernacher Einrichtung während der Herrschaft der Nationalsozialisten

Vor 64 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit. Der 27. Januar ist deshalb der zentrale Gedenktag für die Opfer des Nazi-Terrors. Auch in Andernach wurden während der Schreckensherrschaft Menschen ermordet, misshandelt und deportiert. Dieser Opfer wurde jetzt gedacht.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben gestern etwa 100 Mitarbeiter der Andernacher Rhein-Mosel-Fachklinik und Bürger der Opfer des nationalsozialistischen "Euthanasie"- Programms gedacht. Im Anschluss legten sie und Vertreter der Stadt an der Gedenkstätte hinter der Christuskirche Kränze für die Ermordeten nieder.

Im Zentrum des Gottesdienstes stand die Erinnerung an ein Einzelschicksal, stellvertretend für die rund 1.000 Patienten, die im Jahr 1941 von der damaligen Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Andernach in die NS-Tötungsanstalt Hadamar gebracht worden waren. Dies hob Dr. Stefan Elsner, Ärztlicher Direktor der Klinik, hervor: Hinter der großen Zahl von Opfern verbergen sich viele Einzelschicksale, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Mit einem Lichtbildvortrag beschrieb eine Frau aus Winningen die Suche nach ihrer Großtante, die am 20. November 1917 in die Klinik nach Andernach gekommen war. Aus den Krankenakten ging zwar hervor, dass die Großtante am 8. Mai 1941 aus der Andernacher Klinik entlassen worden war, jedoch nicht, wohin man sie gebracht hatte.

Aus Hadamar erhielten die Angehörigen zwei Wochen später die Nachricht vom unerwarteten Tod der Tante. Nach weiteren Recherchen und einem Besuch der Gedenkstätte Hadamar erfuhr die Winningerin Jahre später, dass am 8. Mai 1941 etwa 90 Patienten von Andernach nach Hadamar transportiert und noch am selben Tag in der Gaskammer dort umgebracht worden waren.

Der evangelische Pfarrer Jürgen Gundalin nahm in seiner Predigt während der gestrigen Gedenkveranstaltung Bezug auf die Verantwortung der damaligen Ärzte und Pfleger: "Wie konnte so etwas nur geschehen? Alle wussten damals, worum es ging." Oberbürgermeister Achim Hütten betonte, dass es wichtig sei, die Erinnerung wach zu halten.

Rhein-Zeitung, 28. Januar 2009

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