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Zeit ist Hirn

13.03.2012, Informativer Vortrag zum Thema Schlaganfall an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach

Im klinischen Zentrum der Rhein-Mosel-Fachklinik fand am 10. März im Rahmen der Kampagne "Rheinland-Pfalz gegen den Schlaganfall" ein Schlaganfalltag für Laien statt, an dem Chefarzt Dr. Christian Bamberg und Oberärztin Dr. Ulrike von der Osten-Sacken in Vorträgen über die Arbeit der Schlaganfallspezialstation, insbesondere über diese Symptomatik des Schlaganfalls als auch über die Diagnostik sowie die Möglichkeiten der Akutbehandlung referierten. Mit diesem Tag beteiligte sich die Abteilung für Neurologie an der Rhein-Mosel-Fachklinik an der Aktion. Ziel der Kampagne ist es, den Schlaganfallpatientin durch Symptomerkennen und Rettungsdienste mit dem Notruf 112 schneller in ein geeignetes Krankenhaus mit Schlaganfallspezialstation (Stroke Unit) zu bringen und seine Prognose zu verbessern. Dr. Bamberg konnte über 40 sehr interessierte Hörer zum Vortragsvormittag begrüßen. Zunächst schilderte Oberärztin Dr. von der Osten-Sacken in einer für Laien klar verständlichen Sprache und übersichtlichen Lichtbildern, was ein Schlaganfall oder Apoplex ist und wie er an seinen Symptomen schnell zu erkennen ist.

Ein Schlaganfall ist ein plötzlich eintretendes Ereignis, quasi wie aus heiterem Himmel, das jeden treffen kann. Dennoch unterschätzen zu viele Menschen immer noch diese Gefahr und wissen nicht, dass man vor allem durch schnellstes, richtiges Handeln schlimmste schwere Behinderungen oder den Tod als Folgen verhindern kann. Die Kernaussage lautet: "Zeit ist Gehirn", ist Leben, verlier keine Zeit. Je schneller man handelt, desto mehr kann vom betroffenen Hirnareal gerettet werden.

In Rheinland-Pfalz sind mehr als 15.000 Menschen jährlich vom Schlaganfall betroffen. Bis 2004 gab es in drei Schlaganfallspezialkliniken im Land, seit 2007 sind es 23. Die Neurologie der Rhein-Mosel-Fachklinik unterhält seit dem 1. August 2005 eine Schlaganfallspezialeinheit. 2007 wurden 400 Patienten behandelt, 2009 waren es 628. Man unterscheidet zwei Arten eines Schlaganfalls, der seinen Namen von der Plötzlichkeit seines Eintretens erhielt. Im einen Fall verschließt sich eine Hirnarterie - sie kann infolge anderer Ursachen bereits vorverengt sein - durch ein antransportiertes Blutgerinnsel, und löste damit eine bedrohliche Nichtversorgung der dahinter liegenden Hirnteile aus - ein ischämischer Schlaganfall oder Infarkt.

Im anderen Fall reißt eine Arterie zum Beispiel infolge eines Gefäßwandschadens (Aneurysma). Blut strömt in die betroffenen Region und erzeugt einen hämorrhagischen Hirnschlag oder Hirnb in beiden Fällen muss sofort gehandelt werden. Auch für Schlaganfälle gibt es Risikogruppen: Bluthochdruck, Blutzucker, hohe Blutfette und Nikotinabusus, was aber gesund lebenden Menschen nicht vom Betreffen mit einem Hirnschlag generell ausschließt. Chefarzt Dr. Bamberg führte in seinem Vortrag "Diagnostik und Behandlung des akuten Schlaganfalls" aus, wie nun ein Hirnschlag schnellstens zu erkennen und welche Sofort- wie Folgemaßnahmen anzuwenden sind, möglichst effizient in Zeit und Wirkung den Patienten vor den Folgen dieser Erkrankung zu bewahren. Bei dem geringsten, vor allem plötzlich auftretenden Auffälligkeiten wie Seh- und/oder Sprachstörungen, bei Lähmungen, herabhängenden Mundwinkeln etc. muss sofort der Rettungsdienst benachrichtigt werden, auch nachts, keine Zeit darf verloren gehen, den Hausarzt erst später informieren. Der Patient oder Angehörige sollte keinerlei Scheu zur Hilfe haben, nicht warten, die Auffälligkeiten könnten ja bald wieder verschwinden. Mitgeführte Ausweise auf Risikoerkrankungen oder spezielle Meditationen sind sehr hilfreich. Unter den Erstmaßnahmen nach der Diagnose z.B. durch CT oder MRT, die im evangelischen Stift in Koblenz, einer der Partnerkliniken, zur Verfügung steht, hat die Lyse, das Auflösen eines Aderverschlusses, eine vorrangige Rolle. CT und MRT zeigten, wie z. B. ein zunächst unbetroffenes Hirn eine Arterienstenose aufweist, die dann zu einem Verschluss führt, die betroffene Hirnregion war klar zu erkennen. Bei einer großen unversorgten Hirnregion schwillt diese dann so an, dass der Chirurg einen Teil der Hirnschale entfernen muss, damit das Hirn keine Klage schon erleidet. Nach Abklingen der Schwellung setzt der Arzt das tiefgefrorene, steril aufbewahrte Hirnschalensegment wieder ein. Man sieht äußerlich nur noch eine dünne Narbe, die Haare wachsen wie gewohnt.

Dr. Bamberg zeigte an beeindruckenden Bildern die Diagnose- wie Behandlungsmethoden, Fotos von Blutgerinnseln, die 2 cm lang waren und wies darauf hin, dass die Lyse nur bei frischen Gerinseln greift, ältere aber bereits zu verfestigt seien, dass sie nur operativ entfernt werden können. Nach den zwei informativen und trotz des spezifischen medizinischen Themenbereiches bestens verständlichen Vorträgen arbeiteten sich die Teilnehmer in der anschließenden Diskussion sowie in Einzelgesprächen wichtige Kenntnisse zu diesem bedeutsamen Thema.

Beide Ärzte dankten dem werten Publikum für sein zahlreiches Erscheinen und das hohe Interesse. Sie luden die Teilnehmer zu einem Blick auf die maßgeblichen Diagnoseverfahren Computertomographie und Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Gefäße und Informationen zu den Risikofaktoren ein. Auf Wunsch konnte man sich seinen Blutdruck und Blutzucker von Gesundheits- und Krankenpflegerin Stella.Pocher messen lassen.

Das Aktionsbündnis ist auf die Initiative des rheinland-pfälzischen Gesundheits- sowie des Innenministeriums, der Deutschen Schlaganfallgesellschaft und des Pharma-Unternehmens Boehringer Ingelheim entstanden, mit Ministerpräsident Kurt Beck als Schirmherr. Dazu sind über 60 weitere Partner bekommen, um sich mit der Kampagne "Rheinland-Pfalz gegen den Schlaganfall" gegen diese schwerwiegende Erkrankung stark zu machen. Mehr Informationen dazu findet man unter www.rlp-schlaganfall.de

Andernach Aktuell, 13. März 2012

 

Chefarzt Dr. Christian Bamberg und Oberärztin Dr. Ulrike von der Osten-Sacken bei ihrem Vortrag zum Thema 'Schlaganfall'.
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