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Tanzen in der Klinik wieder in

29.12.2015, Depression Gehirn fordern, für Spaß sorgen und Krankheitsverlauf verbessern

ANDERNACH Depressionen gehören mit zu den häufigsten psychischen Störungen im höheren Lebensalter. Diesem Umstand hat sich die Regionalgruppe des "Bündnisses gegen Depression" 2015 besonders gewidmet und legte den Schwerpunkt ihrer Arbeit aufs Themenfeld Depressionen im Alter. Die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach (RMF), die zum Netzwerk gehört, hob deshalb jetzt ein neues Angebot aus der Taufe, das den Patienten der gerontopsychiatrischen Tagesklinik und der offenen Station PZ 4 gilt: Tanzen.

Jeden Freitagnachmittag animieren das Team um Chefärztin Dr. Marion Bauer-Hermani und der Sozialdienst der RMF Patienten dazu, sich dem abwechslungsreichen Programm anzuschließen. Neben dem Spaßfaktor, der während der eineinhalb Stunden nicht zu kurz kommt, hat die Einbindung dieses Bewegungsangebotes mehrere the-rapeutische Gründe. Bauer-Hermani: "Wenn es darum geht, Denkfähigkeit und positives Denken möglichst lange zu erhalten, ist rhythmische Bewegung ein wesentlicher Faktor." Tanzen fordert das Gehirn gleich dreifach: Der Tanzende stellt sich auf den Partner ein, reagiert auf Musik und lernt immer neue Schrittfolgen. Bewegung beschleunigt das Gehirn zu maximal positiven Leistungen.

Rhythmische Musik bringt viele Menschen dazu, mitzuklatschen oder Kopf und Fuß zu bewegen. Das Gehirn nimmt Rhythmen auf und setzt es in Bewegung um, dadurch werden dort viele Botenstoffe aktiviert. Negative Gefühle drängen sich unwillkürlich zurück, Motivation und Antrieb aktivieren sich. Die Turniertänzer Elke Legge und Andreas Donath aus Mendig fordern auf, führen vor und tragen maßgeblich dazu bei, dass Patienten ihre Sorgen und Nöte beim Paartanz einstweilen vergessen können. Mehrmals pro Woche gibt es in der Tagesklinik für Gerontopsychiatrie wie auf den anderen gerontopsychiatrischen Stationen spezielle Angebote wie Bewegung, kreatives Gestalten, Gehirnjogging und nun auch wieder Tanzen.

Neben medikamentöser Therapie können gerade solche Aktivitäten den Krankheitsverlauf positiv verändern. Um dies fördern zu können, versuchen Fachleute zuvor in Gesprächen herauszufinden, welche Ursachen für Depression zu erkennen sind. Depressionen können durch belastende Ereignisse ausgelöst werden, aber auch auf Störungen des Stoffwechsels im Gehirn basieren. Es verändert sich die Fähigkeit, Freude und Zufriedenheit zu verspüren, negative Gefühle wie Schuldgefühle und Selbstzweifel werden übermächtig. Motivation und Antrieb gehen verloren. Psychotherapie und Behandlung mit Medikamenten (Antidepressiva) führen bei den meisten Patienten zu erkennbaren Erfolgen. Aufklärung für Angehörige und Werben für Verständnis sind ebenfalls wichtig. Zudem geht es darum, dass die Patienten wieder ein Körpergefühl bekommen und verschüttete Potenziale nutzen.

Rhein-Zeitung, 29. Dezember 2015

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