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Patient bleibt in geschlossener Klinik

25.02.2017, Gericht 38-Jähriger hantierte im Zustand der Schuldunfähigkeit mit Waffe und griff Mitpatienten an

Von unserem Mitarbeiter Silvin Müller

ANDERNACH/KOBLENZ/REGION Er hört Stimmen und hat schon Adolf Hitler und Josef Goebbels in seinem Zimmer gesehen. Weil er glaubte, dass die Mafia ihn verfolgt, hatte ein 38-jähriger unter Schizophrenie leidender Mann aus der Verbandsgemeinde Weißenthurm mitten in Urmitz mit einer Schreckschusspistole hantiert und zudem einen Mitpatienten in der Andernacher Rhein-Mosel-Fachklinik fast erwürgt. Wegen versuchter Körperverletzung und Führen einer Schusswaffe ohne Waffenschein musste er sich nun vor der 9. Strafkammer des Koblenzer Landgerichts verantworten. Das Gericht sprach ihn aufgrund seiner psychischen Erkrankung frei, ordnete aber zugleich die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung an.

Richter Martin Schlepphorst sah es als erwiesen an, dass der 38-Jährige im Dezember des Jahres 2015 in einem Haus der Rhein-Mosel-Fachklinik am Rennweg einen Mitpatienten angegriffen hatte. Nur das beherzte Eingreifen eines weiteren Mannes habe den Würgeversuch stoppen können. Ebenso hatte der Richter an dem Gebrauch der Schreckschusspistole im März 2016 keinen Zweifel. Der 38-Jährige hatte sich in Urmitz in der Haltung eines Sportschützen aufgestellt und auch abgedrückt. Da die Waffe allerdings nicht geladen war, ging kein Schuss los. „Der Beschuldigte leidet an einer Erkrankung, die ist schicksalhaft“, erklärte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Weder er selbst noch ein Dritter könnten etwas für sein Verhalten. Durch seine gestörte Wahrnehmung lebe der 38-Jährige in Angst, durch die es zu mehreren gefährlichen Vorfällen gekommen sei. Die Eltern hatten berichtet, dass ihr Sohn schon um sich gestochen hätte. In der Wohnung waren Einstiche in der Wand sowie im Boden und in Kissen gefunden worden. „Ihm kann nur in einer geschlossenen Einrichtung geholfen werden“, betonte Schlepphorst.

Damit folgte die Kammer den Beobachtungen und Empfehlungen einer Ärztin und eines Sachverständigen. Seit Oktober 2016 befindet sich der Mann als Patient in der Weißenthurmer Forensischen Klinik Nette-Gut. Die Oberärztin erläuterte ihre Eindrücke von dem Patienten: In den vergangenen Monaten habe er berichtet, dass er von der Mafia verfolgt würde, die ihren Sitz in einem Urmitzer Schnellrestaurant habe. Die Pistole habe er gekauft, um die Mafiosi einzuschüchtern. Einen Mitarbeiter habe er um ein Skalpell gebeten, um sich ein Mikrofon herausschneiden zu können, das ihm angeblich am Ohr unter die Haut eingepflanzt worden sei. Er würde zudem oft seinen Kaffee fortgießen, weil er glaube, dass dieser vergiftet sei. Ein Medikament erhalte er in einer Höchstdosis, es reiche jedoch nicht aus, um ihm wirkungsvoll zu helfen.

Als Sachverständiger bestätigte ein Facharzt für Psychiatrie die Diagnose der paranoiden Schizophrenie. Der 38-Jährige leide unter Verfolgungswahn und habe eine ungünstige Prognose. Er gehöre zu einer Gruppe mit einem hohen Gefährdungsrisiko. Es sei Zufall, dass bisher niemand ernsthaft zu Schaden gekommen sei. Leider gäbe es derzeit keine Therapiemöglichkeit. „Eine vollständige Heilung ohne Symptome sehe ich momentan nicht“, bedauerte der Facharzt.

Während die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer sagte, dass der Mann keine Einsicht in das begangene Unrecht habe und im Maßregelvollzug untergebracht werden sollte, plädierte Rechtsanwalt Philipp Grassl auf Freispruch. Die Unterbringung sollte ausgesetzt werden. Dafür lägen keine Voraussetzungen vor. Der 38-Jährige habe nur so getan, als ob er schießen würde.

RZ Andernach & Mayen vom Samstag, 25. Februar 2017

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