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Tollitäten mischen sich gern unter ihr jeckes Volk

18.02.2017, Karneval Michael II. und Manuela I. verbindet Nähe zur Feuerwehr

Von unserem Mitarbeiter Silvin Müller

ANDERNACH In der Hofburg in der Straße „Im Mühlstück“ wird oft gewitzelt und gelacht. Am Essenstisch überreicht Michael Krebs seiner Tochter Nadine schon mal eine Schüssel mit einer komischen Geste oder umgekehrt. „Dabei lachen sie sich schippelig“, wundert sich Ehefrau Manuela manchmal.

Der Ulk und die Lebensfreude haben einen hohen Stellenwert im Leben der Tollitäten. Und das ist nicht ohne Grund so: Prinz Michael II., „der Kresse aus der Wackelbütt“, gehört ebenso wie Prinzessin Manuela I., „die närrische Fee vom Frauenkaffee“, und Kanzlerin Nadine, „die Frohnatur mit dem goldenen Humor“, zu den vortragenden Akteuren der Stadtsoldaten, deren Leiter der Prinz ist. Das ganze Jahr über halten sie die Ohren offen sowie Stift und Papier bereit, wenn sie in der Stadt, zum Einkauf im Supermarkt oder im Möbelhaus unterwegs sind. Jede skurrile Situation könnte als närrisches Material für die nächste Büttenrede dienen.

Doch wie ist es eigentlich zu diesem Hobby in der Familie Krebs gekommen? Dafür verantwortlich ist – so merkwürdig es auch klingt – die Freiwillige Feuerwehr Andernach. Seit mehr als 30 Jahren ist der Prinz, der als Projektleiter bei den Stadtwerken Andernach in der technischen Abteilung arbeitet, bei der Feuerwehr. Schon der Urgroßvater war Feuerwehrmann, und die Urgroßmutter läutete die Alarmglocken. Da war es selbstverständlich, dass der Urenkel schon zur Jugendfeuerwehr ging. Jährlich gab es im Mai Familienabende mit Begleitprogramm. Irgendwann kribbelte es bei ihm: Durch Büttenreden im Karneval animiert, traute sich der Prinz, im Duo mit Ralf Napp dort als „Suff und Süffje“ aufzutreten. Dies sahen vor 25 Jahren Molly Zins, der die Abende moderierte, und Stadtsoldatenkommandant Karls-Heinz Wölbert. Sie konnten Michael Krebs überzeugen, bei den Stadtsoldaten aufzutreten. Seitdem ist er mit Leib und Seele „Kresse“ – mit Hütchen, Hornbrille und starrem Blick als Markenzeichen – und feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Jubiläum mit dieser Figur. Er tanzt zudem in der Männertanzgruppe der Stadtsoldaten.

Dabei hat die karnevalistische Karriere des 46-Jährigen eigentlich bei der Prinzengarde im Fanfarenzug angefangen. Denn Urgroßvater, Großvater und Vater gehörten diesem Korps an. „Spiel mal die Tröt“, hatte sein Vater irgendwann einmal zu ihm gesagt. Doch nicht nur Fanfare und Trompete, sondern auch das Schlagzeug beherrscht der Regent. Dies spielte er unter anderem in der Band Corrida. Als gelerntem Bauzeichner liegt der Tollität die Feder nicht nur bei Buchstaben gut in der Hand. Auch viele Orden der Stadtsoldaten hat der Prinz schon entworfen.

Auch die karnevalistische Karriere von Manuela Krebs ist an die Feuerwehr gebunden. Die Prinzessin wurde sogar in den Wohnhäusern der Feuerwehr an der Moltkestraße geboren: „Das war eine riesengroße Gemeinschaft. Wir haben immer Spielkameraden gehabt“, meint die 46-jährige Industriekauffrau, die an der Rhein-Mosel-Akademie im Landeskrankenhaus arbeitet. Schon als Kind war sie aktiv bei den Stadtsoldaten: „Sobald ich laufen konnte, wurde ich in eine Uniform gesteckt und ging bei den Umzügen mit.“ Dann bekam sie vom damaligen Tambourmajor Thomas Scherhag eine Querflöte geschenkt und war eine der ersten Musikerinnen im Spielmannszug. Nach einer Pause als Jugendliche fand sie durch Michael, den sie im Jahr 1990 heiratete, zu den Stadtsoldaten zurück.

Sie schminkte jahrelang die Aktiven der Sitzungen, versorgte als Marketenderin die Uniformierten und organisierte den Kinderkarneval mit. Sie trainierte zudem das Kinderballett bei den Möhnen Ewig Jung. Durch den Prinz fand sie Geschmack an Vorträgen sowie Sketchen und Tänzen und trat seit dem Jahr 1994 regelmäßig beim Frauenkaffee der Stadtsoldaten auf. Im Jahr 2001 waren beide Tollitäten zusammen mit den beiden Kindern Nadine und Lars übrigens im Hofstaat von Prinz Hannes I.

Natürlich fiebert das Paar auf den Rosenmontag hin. Doch noch wichtiger ist ihnen die Saalfastnacht: „Ich genieße jeden Tag, und es gibt immer Glanzlichter, unabhängig davon, ob wir bei den Nachbarschaften, in Seniorenheimen oder in Kitas sind“, betont Ihre Lieblichkeit. Es sei einfach schön zu sehen, wenn die Leute begeistert sind, sobald der Hofstaat durch die Tür kommt. Dies sieht der Regent ähnlich: „Wir sind eben ein Prinzenpaar zum Anfassen und setzen uns gern zwischen die Jecken.“

RZ Andernach & Mayen vom Samstag, 18. Februar 2017

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