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15 Patienten üben in der Tagesklinik Alltag

14.01.2010, Menschen mit Depressionen, Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen werden in der Einrichtung der Rhein Mosel Fachklinik teilstationär behandelt

Jetzt um die Mittagszeit sitzen sie alle an einem großen Tisch zusammen und essen. Zwischen 20 und 74 Jahren sind sie alt, im Moment mehr Frauen als Männer. Ganz unterschiedliche Leben führen sie normalerweise, aber für ein paar Wochen ganz ähnliche. Denn in der Tagesklinik der Rhein Mosel Fachklinik üben sie, mit dem Lebensalltag wieder zurechtzukommen, der durch ihre psychischen Erkrankungen oft beeinträchtigt wurde.

Eigentlich hat Sabine Müller jetzt Zeitungsrunde, doch statt Artikel zu lesen und den anderen in der Kleingruppe vorzustellen, was viele ihrer Mitpatienten große Überwindung kostet, spricht sie mit der Reporterin der Zeitung. In der psychiatrischen Tagesklinik war sie schon einmal und kam danach wieder ganz gut zurecht, erzählt sie. Doch dann hatte sie einen stressbedingten Rückfall und musste in der Rhein Mosel Fachklinik stationär behandelt werden. Seit gut einer Woche geht die 61-Jährige jetzt wieder in die Tagesklinik. "Es hilft einem, eine Struktur für den Alltag wieder zu finden", sagt sie nachdenklich.

Die Koblenzerin heißt nicht Sabine Müller. Ihren richtigen Namen möchte sie nicht sagen. Denn darin liegt vielleicht mit das größte Problem: psychische Krankheiten sind nach wie vor ein riesiges Tabuthema. Auch vor sich selbst einzugestehen, dass man an Depressionen oder Psychosen leitet, ist enorm schwierig." Und die Umwelt reagiert oft sehr verständnislos", sagt Ärztin Beate Lindemann.

Umso wichtiger ist die Arbeit in der Tagesklinik. Denn hier verbringen 15 Patienten ihren Tag. Einen richtigen Arbeitstag von 9:00 Uhr bis 16:00 Uhr. Bewegung und Ergotherapie stehen ebenso auf dem Stundenplan wie die Zeitungsrunde und Haushaltstraining. Denn auch die praktische Alltagsbewältigung ist für psychisch Kranke oft ein Problem, schildert Dr. Beate Lindemann, eine von zwei Ärztinnen, die in der Tagesklinik arbeiten. Zum Team gehören außerdem noch eine Sozialarbeiterin, eine Psychologin/Psychotherapeutin, zwei Fachpflegekräfte für Psychiatrie, eine Ergotherapeutin und eine Servicekraft.

In Gruppen und einzelnen analysieren die Patienten ihre Situation, bekommen Informationen zu ihrer Erkrankung, um selbst besser einschätzen zu können, wie es ihnen geht oder wie sich ein eventueller Rückfall ankündigt. Und sie üben in der Verhaltenstherapie andere Aktions- und Reaktionsweisen ein, machen Rollenspiele und Sport, Umdruck abzubauen, Entspannungs- und Konzentrationsübungen, Genusstraining und soziales Kompetenztraining.

"Ein ganzheitliches Therapiekonzept", heißt es in dem Faltblatt der Tagesklinik, die knapp 15 Jahre an der Ecke Rizzastraße / Südallee war und gerade in das neue medizinische Zentrum in der Neverss gegenüber der Landesbibliothek eingezogen ist. Die Patienten, die die Tagesklinik im Schnitt rund 6-8 Wochen besuchen, sind entweder von ihren Ärzten eingewiesen worden oder kommen aus der vollstationären Behandlung. Dort herrscht ein bisschen so etwas wie eine Käseglocke", sagt Beate Lindemann. "Wir versuchen, auf den Alltag danach vorzubereiten." Dazu gehört auch, dass die Mitarbeiter und Patienten Kontakt zur Arbeitsagentur oder Integrationsfachdiensten, zu Angehörigen und Selbsthilfegruppen aufnehmen, um Pläne für "danach" zu machen, schildert Gisela Thielen, Fachkrankenschwester für Psychiatrie.

Nicht behandelt werden in der Klinik Patienten mit Suchterkrankungen, Demenz und geistigen Behinderungen. Und: die Patienten müssen so stabil sein, dass Sie kommen und die Abende und Wochenenden allein bewältigen können. "Das ist schon manchmal ein Problem", sagt Patientin Sabine Müller. "Ich versuche abends das umzusetzen, was ich tagsüber gelernt habe. Zum Beispiel möchte ich alte Hobbys wieder beleben." Basteln und Malern machen ihr besonders viel Freude, hat sie festgestellt.

Die 15 Plätze der Koblenzer Tagesklinik sind immer besetzt. Manche Patienten müssen Wochen warten, bis sie einen Platz bekommen. Die nächsten Tageskliniken sind in Lahnstein, Neuwied, Andernach, Cochem und Mayen. Die Kosten für den Aufenthalt übernehmen die Krankenkassen nach der Einweisung durch den Haus-oder Facharzt. Und das ist auch ein finanzielles Argument: vollstationäre Aufnahmen können laut Klinikfaltblatt durch die Tagesklinik oft vermieden oder verkürzt werden.

Rhein-Zeitung, 14. Januar 2010

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