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Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

03.02.2010, Gedenkstunde der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach

Der 27. Januar, der Tag des Gedenkens an die Opfer des National-
sozialismus, wurde auch in Andernach wieder mit einer Gedenkstunde der Rhein-Mosel-Fachklinik begangen. Während eines Gottesdienstes in der Klinikkirche berichtete der ärztliche Direktor Dr. Stefan Elsner exemplarisch von einem Schicksal, das stellvertretend für Millionen anderer steht. Er erzählte vom expressionistischen Dichter Jakob van Hoddis, der wahrscheinlich an Schizophrenie erkrankte und nach verschiedenen Stationen 1933 in die "israelitische Heil- und Pflegeanstalt" nach Bendorf-Sayn kam.

Nach einem Runderlass vom Dezember 1940 durften geisteskranke Juden aus dem gesamten Reichsgebiet ausschließlich dort aufgenommen werden. Im April 1942 wurde er schließlich in dem Distrikt Lublin deportiert und wahrscheinlich im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Aus Andernach, so Elsner, begannen die systematischen Transporte der psychisch Kranken im April 1941. Die "Provinzial Heil und Pflegeanstalt Andernach" war als Sammelanstalt der psychiatrischen Kliniken im Süden der preußischen Rheinprovinz vorgesehen. Ein erster Transport am 11. Februar allerdings galt einer Gruppe von 58 jüdischen Patientinnen und Patienten, die in Andernach aus mehreren Kliniken gesammelt wurden. Von hier ging es schließlich in die Tötungsanstalt Hadamar. Elsner:"Es hat geradezu Symbolwert, das als erste jüdische Patienten von Andernach in den Tod deportiert wurden. "

Sie alle sind Teil des Erinnerns
nach der Messe auf dem Klinikgelände traf man sich am Mahnmal in der Andernach Innenstadt. "Sie alle sind Teil des Erinnerns", sagte Oberbürgermeister Achim Hütten den Teilnehmern der Gedenkstunde. Der nationalsozialistische Rassenwahn habe nur zwei Mittel gekannt: Krieg und Vernichtung. Daran habe Hitler bereits seit 1923 keinen Zweifel gelassen, was heute umso unverständlicher macht, wie viele Menschen ihm folgten. Bis dahin unbescholtene Bürger wurden zu Handlangern des Regimes. Den Gedenktag will Hütten zum Anlass nehmen, nicht nur zu erinnern, sondern auch zu mahnen.

Buch zum Thema erschienen
Wer sich intensiver mit der Geschichte der "Euthanasie" im Rheinland und mit der Klinik in Andernach beschäftigen will, kann auf ein im vergangenen Jahr erschienenes Buch zurückgreifen. Das Konvolut von Aufsätzen entstand nach einer Fachtagung im Jahr 2007. Im Mittelpunkt dieser Publikation steht die ehemalige Andernacher Anstalt. Aber auch weitere nennenswerte Geschehnisse zum Thema aus der Region werden beleuchtet, beispielsweise das Schicksal der so genannten "Rheinland-Bastarde". Des weiteren wird auf die Erinnerungskultur heute eingegangen - man beschäftigt sich im Buch mit der Entstehungsgeschichte des Spiegeldenkmals in der Andernacher Innenstadt. Das Buch "…. wir waren samt und sonders gegen die Durchführung der "Euthanasie" Aktion – Zur NS-"Euthanasie" im Rheinland" ist im Buchhandel erhältlich.

Andernacher Stadtzeitung, 3. Februar 2010

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