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Für Arbeitslose in der Alkoholfalle

01.02.2011, Andernacher Rhein Mosel Fachklinik und Jobcenter starten gemeinsames Projekt

Ein gemeinsames Projekt gegen Arbeitslosigkeit und Alkoholabhängigkeit haben das Jobcenter des Landkreises Mayen Koblenz und die Rhein Mosel Fachklinik Andernach ins Leben gerufen. Das neue Vorhaben zur Frühintervention bei gefährlichem Alkoholkonsum heißt ES-LS (Erster Schritt, letzter Schluck).

Dahinter steckt der Gedanke, dass eine Suchterkrankungen ein schweres Hindernis für eine berufliche Wiedereingliederung ist. "Wir müssen die Menschen erst dahin kriegen, dass sie qualifizierungsfähig sind", sagt Rolf Koch, Geschäftsführer des Jobcenters." In Deutschland vergehen im Durchschnitt 15 Jahre, bis ein Mensch mit Alkoholproblemen endlich bei sucht Hilfeeinrichtungen ankommt", sagt Dr. Peter Hotz, Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin und Sozialpsychiatrie der RMF.

Sozialarbeiter Denise Lehmann wartet jetzt nicht mehr, bis die Arbeitslosen mit Alkoholproblemen zu ihm in die Klinik kommen. Seine halbe Arbeitszeit verbringt er zukünftig in den Räumen des Jobcenters. Ihm können die Fallmanager und Ansprechpartner des Hauses Klienten zu beweisen, wenn sie den begründeten Verdacht auf gefährlichen Alkoholkonsum haben. Bei den Mitarbeitern des Jobcenters kommt das Projekt gut an. Erste Termine mit Kunden sind bereits anvisiert.

Im so genannten "Motivational Interviewing" geht es um einen Erkenntnisgewinn für beide Seiten, erläutert Lehmann: der Kunde lernt erkennen, ob er tatsächlich ein Alkoholproblemen hat. Die Entwicklung des Problembewusstseins steht zunächst im Vordergrund. Falls ein Suchtproblem von den Betroffenen erkannt wird, können entsprechende Angebote unterbreitet werden. Das startet mit Tipps, wie man das Trinken reduzieren kann, und geht bis hin zu weiterführender Hilfe in Form von ambulanter oder stationärer Behandlung.

Die Angestellten der Jobcenter können sich anschließend um ihre eigentliche Aufgabe kümmern, nämlich die Arbeitsvermittlung. Der Sozialarbeiter, der der Schweigepflicht unterliegt, hilft mit seiner Arbeit den betroffenen Menschen und dem Jobcenter bei der Beseitigung von Vermittlungshemmnissen. Am neuen Arbeitsplatz kann er den Kunden im Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen zur Seite stehen. Das Projekt bedeute für ihn die Realisierung eines "Traums, den ich schon lange habe", sagt Dr. Peter Hotz. Viele Menschen mit Alkoholproblemen hätten lange das "Gefühl, dass etwas falsch läuft, schämen sich jedoch, etwas zu unternehmen." Wenn jedoch früher etwas gegen die Alkoholabhängigkeit unternommen würde, könnten viele Menschen vor Jobverlust, Trennung vom Partner, dem Auseinanderbrechen der Familie bewahrt werden. "Je früher wir die Menschen erreichen, desto größer ist die Chance, etwas verändern zu können," so Hotz.

Finanziert wird das gemeinsame Projekt von der Rhein Mosel Fachklinik Andernach, dem Jobcenter und über den rheinland-pfälzischen Landesdrogenbeauftragten Ingo Brennberger vom Gesundheitsministerium des Landes. Koch und Hotz sind sich einig, dass mit diesem Projekt auch ein gesamtgesellschaftliches Problem angegangen wird. Ein Teufelskreis soll damit endlich aufgebrochen werden.

Rhein-Zeitung, 1. Februar 2011

Mit dem gemeinsamen Projekt zur Frühintervention bei gefährlichem Alkoholkonsum starteten die Rhein-Mosel-Fachklinik und das Jobcenter Mayen-Koblenz: (v.l.n.r.) Dr. Peter Hotz, Sozialarbeiter Dennis Lehmann, Maik Klee (MYKnetz) und Geschäftsführer Rolf Koch.
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