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Wenn`s hakt: Fürsprecher helfen Patienten

04.07.2013, Andernacherin erklärt das Ehrenamt

Am heutigen Donnerstag tagen Menschen aus ganz Rheinland-Pfalz in Andernach. Sie setzen sich ehrenamtlich für die Belange von Patienten ein. Zu den Teilnehmern gehören solche, die regelmäßig körperlich oder psychisch Kranke in Einrichtungen besuchen. Vor allem aber werden etliche der 100 Patientenfürsprecher anwesend sein, die als unabhängige Bindeglieder zwischen Patient und Krankenhaus agieren. Die Andernacherin Liselotte Buchinger-Radberger ist seit 2010 Sprecherin der rheinland-pfälzischen Patientenfürsprecher und hat die Tagung in Zusammenarbeit mit dem Mainzer Gesundheitsministerium vorbereitet. Sie ist seit 1998 als Ehrenamtlerin für die Rhein-Mosel-Fachklinik und die Klinik Nette-Gut zuständig.


Was genau macht eigentlich ein Patientenfürsprecher?

Liselotte Buchinger-Radberger:
Ich bin für die Patienten da und sehe mich als Vermittlerin zwischen Patienten, Ärzten und Pflegepersonal. Ich habe einmal in der Woche eine feste Sprechstunde im Krankenhaus. Wer ein Anliegen hat, kann zu mir kommen oder mir einen Brief schreiben. Das machen beispielsweise die Patienten der geschlossenen Abteilung. Dann vereinbaren wir ein Treffen. Meine Aufgabe ist es, den Patienten zuzuhören und ihre Beschwerden oder Wünsche in Bezug auf das Krankenhaus aufzunehmen. Das können Beschwerden über das Essen, einen Arzt, das Pflegepersonal, die Verwaltung oder einen Mitpatienten sein.


Was wird denn immer wieder kritisiert?

Liselotte Buchinger-Radberger:
Das häufigste Anliegen ist, dass der Arzt nicht genügend Zeit für den Patienten hat, und dass das Personal nicht genügend Zeit hat. Das sagen vor allem Patienten, die zum ersten Mal in der Klinik sind. Die möchten, wenn sie kommen, gern 2-3 Stunden reden.


Können Sie daran überhaupt etwas ändern?

Liselotte Buchinger-Radberger:
Ich höre aufmerksam zu und mache mir Notizen. Das ist auch mein Pluspunkt: dass ich eine Viertel Stunde oder eine ganze Stunde Zeit für sie habe. Danach ist dann schon viel Frust verpufft. Und ich erkläre in dem konkreten Fall, dass die Diagnosen ja in einem Team besprochen werden. Ich gehe immer anschließend direkt zum Pflegepersonal, außer wenn der Patient dies ausdrücklich nicht möchte. Ich gebe die Wünsche und die Kritik weiter, ohne Garantieversprechen, melde mich aber anschließend noch einmal beim Patienten.


Wo haben Sie denn beispielsweise schon konkret etwas bewirkt?

Liselotte Buchinger-Radberger:
Eine Patientin erzählte mir, dass sie abends immer schon um 18:00 Uhr ihre Schlaftabletten bekommt und dann morgens ab 4:00 Uhr wach ist. Da habe ich mit den Pflegern gesprochen, dass das ja auch für Mitpatienten störend sei, wenn sie früh herumläuft. Da haben wir den Kompromiss gefunden, dass die Nachtschwester der Patientin die Tabletten erst um 20:00 Uhr gibt. Für Außenstehende sind das Kleinigkeiten, aber intern bewirkt es etwas. Ein anderes Mal hatte ich die Beschwerde, dass die beiden Telefone auf der neuen geschlossenen Station zu eng beieinander sind, so dass Mitpatienten vertrauliche Telefonate mit Angehörigen mitbekommen. Das habe ich mir direkt angeschaut und fand es unmöglich. Ich fragte den Patienten, ob er einen Verbesserungsvorschlag hat. Ich ging zur Verwaltung und im Nu wurde das umgesetzt. Es wurde ein Loch in die Wand gebohrt und eines der beiden Telefone so in einen anderen Raum verlegt.


Welche Eigenschaften braucht ein Patientenfürsprecher?

Liselotte Buchinger-Radberger:
Viele. Man muss auf fremde Menschen zugehen können. Und man muss ihnen vermitteln: "ich komme zu Ihnen, aber ich überfalle sie nicht." Natürlich muss ich zuhören können. Und ich muss körperliche Nähe ertragen können. Denn bei psychisch Kranken ist es manchmal so, dass sie einen umarmen. Man sollte immer den Menschen sehen und nicht sagen: "Das ist ja ein Kranker." Besonders wichtig ist auch, keinen Anspruch an den Patienten zu stellen und sich andererseits nicht von ihm vereinnahmen zu lassen. So nach dem Motto: "Bringen Sie mir mal Briefmarken mit." Wir sind für interne Dinge zuständig, nicht für private.


Was werden Sie den anderen Patientenfürsprechern heute in ihrem Beitrag sagen?

Liselotte Buchinger-Radberger:
Es ist wichtig, dass in den Krankenhäusern durch Schrift und Bild auf die Patientenfürsprecher aufmerksam gemacht wird. Mein Flyer hängt auf jeder Station. Wir sind unabhängig und grundsätzlich für die Patienten da Wir haben jederzeit das Recht, mit ihnen zu sprechen. Ich werde betonen: "Seid selbstbewusst."  Denn wenn die Patienten nicht wissen, dass es Patientenfürsprecher gibt, können Sie uns auch nicht als Vermittler ansprechen.


Gesetzlich vorgeschrieben
Krankenhäuser sind die bundesweit zur Einrichtung eines patientenorientierten Beschwerdemanagements verpflichtet. Das legt das am 26. Februar 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz fest. Dazu gehört das Einrichten von Beschwerdemöglichkeiten, dass Unterrichten der Patienten über diese Möglichkeiten sowie das zügige und transparente Bearbeiten der Beschwerden. In einigen Ländern wie Rheinland-Pfalz ist es zudem gesetzlich vorgeschrieben, dass Krankenhäuser einen Patientenfürsprecher haben müssen. Dieser wird vom Kreistag oder dem Stadtrat einer kreisfreien Stadt für die Wahlperiode gewählt. Ihren Jahresbericht müssen die Patientenfürsprecher dem Mainzer Gesundheitsministerium zukommen lassen.

Rhein-Zeitung, 4. Juli 2013

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