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29 Jahre im Dienst für mehr Lebensqualität

06.05.2014, Chefarzt Dr. Andreas Korn wurde an Rhein-Mosel-Fachklinik in den Ruhestand verabschiedet

ANDERNACH. Dr. Andreas Korn wollte nichts weniger, als das menschliche Handeln verstehen. Damit er lernte, wie die Menschen ticken, wurde er Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Aber der Mediziner wollte auch denen helfen, denen es besonders schlecht geht. Deshalb wurde Korn vor 29 Jahren Leiter der Gerontopsychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach. Nun verabschiedeten ihn seine Kollegen in den Ruhestand.

"Die Vielfacherkrankungen unserer Patienten sind die große Herausforderung", erzählt der 65-Jährige. Auf der Gerontopsychiatrie werden ältere Patienten mit psychischen Störungen behandelt, die meistens auch an körperlichen Krankheiten leiden. "Die Störungen können viele verschiedene Ursachen haben", erzählt der Mediziner. Das mache den Reiz an seinem Job aus. "Man muss psychologisch, internistisch und neurologisch denken."

Vereinsamung oder da Gefühl, durch die Begleiterscheinungen des Alters nicht mehr mithalten zu können, können zu Depressionen führen, erklärt Korn. Auch die Abhängigkeit von Alkohol oder Medikamenten werden auf seiner Station behandelt. "Wir können sehr viel lindern und Schmerzen nehmen", sagt Korn. Aber eine richtige Heilung sei selten. Wenn der Chefarzt die Lebensqualität seiner Patienten etwas verbessern konnte, dann war das sein Erfolgserlebnis.

Aber die Bedingungen, unter denen Korn sich diese Erfolgserlebnisse erarbeitete, seien schlechter geworden, klagt der Mediziner. Er erzählt von gestiegenen Anforderungen, einem gewachsenen Kostendruck, komplizierten rechtlichen Bedingungen und einem "Dokumentationswahn". Lange Arbeitszeiten habe es schon immer gegeben. "Das geht nur, wenn Sie zu Hause jemanden haben, der Ihnen den Rücken freihält", gibt der Vater von drei Söhnen zu.

Würde er alles wieder so machen? "Ich glaube, dass es der richtige Weg war", sagt der Sohn eines Mediziners nach einigem Nachdenken. Er schaue gern auf seine Zeit in Andernach zurück, betont der gebürtige Bielefelder. Die begann 1982 – als die Klinik noch Landesnervenklinik hieß – nach seiner Assistenzarztzeit in Köln. Korn machte schnell Karriere. "Ich war zur rechten Zeit am richtigen Platz", meint der Mediziner. 1984 wurde er Leiter der Gerontopsychiatrie, stellte die Randabteilung neu auf und holte sie ins Zentrum der Klinik. 20 Jahre lang war er auch für die Ausbildung der Medizinstudenten zuständig.

Hat man Angst vor dem Alter, wenn man jeden Tag mit so vielen Krankheiten konfrontiert ist? "Das geht auch an mir nicht spurlos vorbei", gibt Korn zu. "Natürlich mache ich mir Sorgen, aber ich kann es in die richtige Relation setzen." Der Tod sei nie angenehm. Er wünsche sich, dann eine palliative Therapie zu bekommen. Dieser Bereich müsse noch viel stärker ausgebaut werden, fordert der Chefarzt.

Sorgen macht ihm auch, dass mit ihm gerade eine ganze Generation Ärzte in Rente geht. "Wir brauchen mehr Medizinstudenten", fordert er. Es sei heute schon teilweise schwierig, einen Facharzttermin zu bekommen, was solle dann erst passieren, wenn seine Babyboomgeneration richtig alt sei, fragt sich Korn. Er geht davon aus, dass die Zahl der Demenzpatienten "drastisch zunehmen" wird.

Und hat er 30 Jahre nach seiner Facharztausbildung verstanden, wie die Menschen ticken? "Es ist wie mit allem", antwortet Korn. "Man nähert sich an, aber je mehr man weiß, desto mehr Fragen hat man." Und weil er noch viel mehr Fragen hat, will sich Korn als Rentner nicht nur hobbymäßig der inneren Medizin  widmen, sondern überlegt, in Bonn Archäologie zu studieren.

Rhein-Zeitung, 28. April 2014

Dr. Andreas Korn nahm im Kreise seiner Kollegen und Mitarbeiter Abschied von der Rhein-Mosel-Fachklinik. Mit dabei war auch seine Frau Gertrud (mit Blumenstrauß).
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