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Enjo ist der Star in der Geriatrischen Tagesstätte

16.09.2015, Rhein-Mosel-Fachklinik Tanja van Boemmel und ihr Hund lassen sich als Therapiebegleitteam ausbilden

ANDERNACH In der Geriatrischen Tagesstätte der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach (RMF) sorgt seit geraumer Zeit ein Einjähriger für mächtigen Wirbel. Er leckt Hände, beschnuppert Stühle und ist trotzdem ein Star.

Die Rede ist von Enjo, einem Labradoodle, der einmal in der Woche mit seinem Frauchen Tanja van Boemmel die Tagesstätte der gerontopsychiatrischen Abteilung der RMF besucht. Und Enjo zeigt jedes Mal, dass er viel mehr kann, als nur die Ohren zu spitzen und den Kopf schief zu legen: Er ist ein Therapiehund - zumindest wird er derzeit zu einem ausgebildet - und in dieser Funktion sehr beliebt bei den älteren Menschen, die in der Tagesstätte gepflegt werden.

Wenn Enjo den Raum betritt, sind alle Augen gespannt auf ihn gerichtet. Einige der Senioren wollen sofort mit ihm spielen, andere beobachten genau, was passiert. Van Boemmel, die seit fast 20 Jahren Ergotherapeutin in der RMF ist, hat Leckerlis und Spielgeräte für Enjo dabei, mit denen die Tagesgäste in Interaktion mit dem Hund treten sollen. Auch nach einer Viertelstunde ist dem Tier noch die volle Aufmerksamkeit gewiss.

Für viele der an Demenz erkrankten Tagesgäste ist bereits das ein Erfolg, denn die Konzentrationsfähigkeit nimmt bei einer Demenz schnell ab. "Wenn Enjo da ist, kommen wir leichter an die Patienten ran. Sonst ist es schwerer, Reaktionen hervorzurufen", erklärt Agnes Francois, die Leiterin der Tagesstätte. Ziel der tiergestützten Therapie ist es, Fein- und Grobmotorik, etwa durch die Fellpflege oder einen Spaziergang, sowie das Wohlbefinden der Gäste zu verbessern und für Abwechslung im Programm zu sorgen.

Zwar sind wissenschaftliche Studien und Untersuchungen zur Nachhaltigkeit tiergestützter Therapien noch rar gesät. Doch was die Verantwortlichen in der Tagesstätte allwöchentlich erleben, bestärkt sie, dass der ungewöhnliche Weg, Enjo ins Konzept zu integrieren, der richtige ist. Francois: "Teilweise können sich unsere Gäste die Namen der Teammitglieder nur schwer merken, doch den Namen des Hundes behalten sie. Sie fragen uns sogar aktiv, wann Enjo uns wieder besucht." Weil bei Demenzen auch das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt wird, ist für Francois und ihr Team die Frage nach Enjo ein Indiz für die Wirksamkeit der Maßnahme.

Dabei sind Tanja van Boemmel und Enjo noch nicht mal fertig mit ihrer Ausbildung. Die ist sehr aufwendig und wird von der Ergotherapeutin selbst finanziert. "Die Ausbildung dauert bis zu eineinhalb Jahre bei anerkannten Hundetrainern und umfasst mindestens 220 Stunden. Dazu kommen Hundeschule und weitere Trainings", so van Boemmel.

Das Tier muss besondere Wesenszüge in sich tragen, um die Aufgaben zu meistern. Labradoodle, eine Mischung zwischen Labrador und Pudel, erfüllen diese Voraussetzungen. Diese Hunde lernen schnell und sind äußerst stresstolerant, was besonders bei der Arbeit mit den Senioren von hoher Bedeutung ist. Denn Enjo wird zum Beispiel manchmal ohne Vorwarnung sehr geherzt.

Bevor van Bommel loslegen konnte, musste sie eine Menge Bürokratie überwinden. Veterinär- und Gesundheitsamt wollten wissen, wie das mit Enjo in der Klinik funktioniert - Hygienepläne mussten erstellt werden. Aber jetzt kann sich van Boemmel ihren lang gehegten Traum erfüllen. Seit Herbst vergangenen Jahres sind sie und Enjo fester Bestandteil des wöchentlichen Programms. Die Besuche absolviert van Boemmel auf ehrenamtlicher Basis. Doch wenn sie Anfang 2016 die Ausbildung abgeschlossen hat, plant die Klinik, die tiergestützte Therapie als zusätzliche Therapiemöglichkeit in den gerontopsychiatrischen Behandlungsbereich aufzunehmen.

Rhein-Zeitung, 16. September 2015

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