Zu den Inhalten springen

Navigation

Suche

twitter

Servicenavigation

Funktionen

| Schriftgröße
 

Presse Detailansicht

Integriert durch Job in der Pflege

18.01.2016, Flüchtlingsprojekt Verantwortliche ziehen Zwischenbilanz zum Einsatz von Asylanten in RMF

ANDERNACH Etwas unsicher stehen die zwei Flüchtlinge in dem kleinen Speiseraum des psychischen Zentrums der Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF). Was sie erwartet, ist ihnen nicht klar, aber wer eine Flucht überlebt hat, übersteht auch so ein Pressegespräch mit links. Azad Ibrahim aus Syrien und Muuse Mohamad Huubow aus Somalia sind Teilnehmer von ZIP (Zukunft durch Integration in der Pflege) - einem landesweit bis jetzt einmaligen Pilotprojekt vom Jobcenter Mayen-Koblenz und der RMF.

Seit Oktober läuft ZIP, die Verantwortlichen haben jetzt eine Zwischenbilanz gezogen. Dabei zeigte sich in den Zwischentönen, dass es nicht immer einfach ist. "Für die Mitarbeiter ist es eine Herausforderung", sagte Gerald Gaß, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses, zu dem auch die RMF gehört. Die Flüchtlinge konnten natürlich nicht direkt mit anpacken, sondern mussten alles erst einmal genau erklärt bekommen. Kulturelle Unterschiede kamen an die Oberfläche, die Hälfte der aktuell neun Teilnehmer zwischen 23 und 45 Jahren ist männlich und es häufig nicht gewöhnt, eine Frau als Chefin zu haben, berichtet Pflegedirektorin Rita Lorse.

Obwohl die Teilnehmer zum Start einen vierwöchigen Intensivsprachkurs mit vielen Fachausdrücken absolviert haben und täglich den Deutschunterricht besuchen, ist bei manchem die sprachliche Barriere nach wie vor hoch. Für Ingrid Bäumler, Coach des Jobcenters, die mit Kollegin Bärbel König die Flüchtlinge in der RMF betreut, ist sie eine der größten Hürden. Es habe gedauert, Vertrauen zu den Flüchtlingen aufzubauen.

Ibrahim ist seit drei Jahren in Deutschland, hatte schon den ein oder anderen Hilfsjob, aber versteht längst noch nicht alles. Lorse ist trotzdem begeistert, denn der 31-Jährige könne wunderbar mit den älteren Menschen mit psychischen Problemen umgehen. "Die freuen sich, wenn er kommt", erzählt die Pflegedirektorin. Er unterstütze sie im Alltag, helfe etwa bei Toilettengängen.

Fünf Monate lang schnuppern die Flüchtlinge halbtags in die Arbeit auf den Stationen hinein. Auch hier zeigt sich Nachbesserungsbedarf: Wenn morgens besonders viel zu tun ist, sind die Projektteilnehmer im Deutschkurs, erzählt Lorse. Aber das Pilotprojekt sei ja dafür da, um aus Erfahrungen zu lernen.

Im März sind die ersten Absolventen fertig, und 15 neue Flüchtlinge starten in das erst einmal auf ein Jahr angelegte Projekt. Den Hauptkostenanteil trägt mit 193 000 Euro das Land, das laut David Langner, Staatssekretär im Landessozialministerium, auf das Jobcenter Mayen-Koblenz mit der Idee zugegangen ist. Das übernimmt 6000 Euro. Dessen Geschäftsführer Rolf Koch hofft, dass das Projekt für anerkannte Asylanten, die in der Zeit des Praktikums weiter Hartz IV beziehen, eine Finanzierungsverlängerung bekommt. Für den Ersten Kreisbeigeordneten Burkhard Nauroth ist es ein wesentlicher Baustein der Flüchtlingsarbeit des Kreises.

Einige Teilnehmer haben das Projekt abgebrochen, teilweise haben sie Jobs gefunden, erzählt Bäumler. Ein Handwerker, der in der Pflege nicht klarkam, ist bei den Elektrikern der RMF glücklich geworden. Der ehemalige Soldat Ibrahim will nach dem Praktikum auf jeden Fall eine Ausbildung in der Pflege machen. Der 33-jährige Huubow, der in Somalia im Geschäft seiner Mutter geholfen hat, steht noch am Anfang. In einem Deutsch-Englisch-Gemisch erzählt der Vater einer zweijährigen Tochter, dass er mit Suchtkranken kegelt und Karten spielt.

Am Ende soll Huubow wie die anderen wissen, ob ein Gesundheitsberuf für ihn infrage kommt. Falls ja, kann er sich für eine Ausbildung bewerben. Wer bereits eine mitbringt, kann sich dann leichter um die Anerkennung bemühen, erklärt Lorse. Für Langner ist das Projekt ein Gewinn für alle Seiten: Die RMF, die ausreichend Pflegekräfte benötigt, die Flüchtlinge, die einen Job suchen und die mehr werdenden Patienten, die auf eine gute Pflege hoffen. Der Staatssekretär schlug auch einen Bogen zu den Vorkommnissen in Köln. Flüchtlinge bräuchten eine Tagesstruktur und eine Perspektive, damit sie sich in die Gesellschaft integrierten. "Es ist eine gewaltige Herausforderung. Wir können nicht damit rechnen, dass wir kurzfristig Erfolg haben."

Rhein-Zeitung, 18. Januar 2016

© Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach 2017 | Impressum | Haftungsausschluss