Zu den Inhalten springen

Navigation

Suche

twitter

Servicenavigation

Funktionen

| Schriftgröße
 

Presse Detailansicht

Frau Dr. Clown schenkt Senioren ein Lächeln

22.08.2016, Ehrenamt Sabine Link ist „BimBamBine“ – Regelmäßig besucht sie ehrenamtlich die Pro Seniore Residenz in Lahnstein

Von Karin Kring und Jana Niesges

LAHNSTEIN Ihr leises Lächeln ist unwiderstehlich. Ihre rot bemalte Nase, die kleinen blauen und weißen Sommersprossen im Gesicht, ein knallbuntes, selbst genähtes Kleid, lustige Pfeifenputzer ins Haar gedreht – so kommt sie zum Kaffeekränzchen, wirft bei manchen in der Runde fragende Blicke auf, für andere ist sie längst vertraut. Und wenn sie von Tisch zu Tisch geht, leise, vorsichtig, behutsam auf jeden Einzelnen zugeht, ihn anschaut, dann kann niemand anders, als zurückzulächeln, die Freude und Freundlichkeit, die sie verschenkt, anzunehmen.

„Hallo, ich bin die BimBamBine“, stellt sich Sabine Link vor, als sie wieder einmal die Residenz Pro Seniore in Lahnstein besucht. Ein merkwürdiger Name für eine Sozialarbeiterin – aber genau der richtige für eine Clownin. Die 43-jährige Koblenzerin, die in der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach arbeitet, kommt ehrenamtlich einmal im Monat in die Lahnsteiner Einrichtung, meist in die Wohngruppe im Haus Martinsschloss, in dem 24 Bewohner leben. Sie plaudert mit ihnen, zeigt kleine Zaubertricks, geht individuell auf die Menschen ein. Sie kann sich erinnern, dass Maja, eine der Bewohnerinnen, gern tanzt, dass die Frau, die ihr gegenübersitzt, eine schöne Stimme hat, und stimmt ein altes Kinderlied an. Und viele der Senioren stimmen mit ein, bilden einen Chor.

Zunächst Vorbehalte abgebaut

Wenn sie neben den Rollstuhl tritt, in dem eine an Demenz erkrankte Dame sitzt, die ihre Umgebung nur noch schwach wahrnimmt, reicht sie ihr behutsam die Hand, drückt sie leicht und spürt, dass auch die alte Dame mit subtilen Zeichen auf sie reagiert.

Seit einem Jahr kommt BimBamBine nun schon jeden Monat in die Lahnsteiner Senioreneinrichtung, um ihren Bewohnern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Vor ihrem ersten Besuch hatten die Mitarbeiter noch gewisse Vorbehalte gegen Links Tätigkeit als Clownin: „Wir haben uns schon gefragt, ob das nicht zu kindisch ist“, erklärt Martina Best, die Residenzberaterin im Pro Seniore. Diese Bedenken waren aber sofort ausgeräumt, als Sabine Link die Senioren zum ersten Mal besuchte: Statt eines Zirkusclowns kam eine einfühlsame Frau mit roter Nase und buntem Kostüm, die mit den Bewohnern sang, redete und tanzte. Und jedes Mal ist es ein Fest. Martina Best ist froh und dankbar, dass Sabine Link vorbeikommt, sie ist begeistert von dem, was sie bei den Bewohnern bewirkt.

Kein vorbereitetes Programm

„Es geht nicht darum, den Kasper zu machen, sondern, sich auf eine andere Weise zu begegnen“, sagt Sabine Link, die in Koblenz ihr Diplom machte und anschließend an der Universität Marburg im Fach Erziehungswissenschaften mit einer Doktorarbeit zur Relevanz des Humors in der medizinischen Rehabilitation suchtkranker Menschen (Titel: „Anstiftung zur heiteren Gelassenheit“) promovierte. Frau Dr. Clown also. Sie spult bei ihren Besuchen kein vorbereitetes Programm ab, sondern reagiert spontan auf das, worauf die Bewohner Lust haben. Wie man das am besten macht, hat sie in der Ausbildung zur Clownin gelernt, die sie 2010 erfolgreich abgeschlossen hat.

Aber wie kommt man auf die Idee, ein Clown zu werden? „Nachdem ich mich in meiner Diplom- und Doktorarbeit mit Humor beschäftigt hatte, wurde ich Mitglied bei der Schweizer Organisation HumorCare. Da saßen dann plötzlich zwei Clowns neben mir“, erzählt Link. Sie stellte fest, dass diese beiden Clowns gar nicht so waren, wie sie sie aus dem Zirkus kannte – und entschloss sich, selbst eine Clown-Ausbildung zu machen. Mittlerweile ist Sabine Link aktives Mitglied im Verein „Humor hilft heilen“, den der Arzt, Journalist und Moderator Eckart von Hirschhausen 2008 gegründet hat. Die Stiftung bietet Aus- und Weiterbildungen für Clowns an und setzt sich dafür ein, dass sie in verschiedene Einrichtungen kommen dürfen, um die Stimmung in Krankenhäusern und Heimen fröhlicher zu machen.

Dafür sorgt Sabine Link außerdem auch gemeinsam mit den Westerwälder Clowndoktoren, mit denen sie regelmäßig zu „Lach-Visiten“ in Koblenzer Kliniken unterwegs ist. Dabei bringt sie vor allem Kinder zum Lachen. Macht das nicht viel mehr Spaß als bei Senioren? „Mit den Kindern macht man natürlich mehr Spökes und Krach – im Seniorenheim ist das viel feinfühliger. Beides macht aber gleichermaßen Spaß“, sagt Link. Denn auch wenn die Reaktion der Senioren natürlich oft viel kleiner ausfällt als die der Kinder, will Sabine Link BimBamBines Besuche im Altenheim nicht mehr missen: „Das ist auch für mich auf jeden Fall eine Bereicherung“, sagt sie lächelnd. „Die Menschen geben mir ganz viel zurück.“

Rhein-Zeitung, 22. August 2016

© Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach 2017 | Impressum | Haftungsausschluss