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RMF investiert in neues Wohnprojekt

07.09.2016, Gesundheit 24 Plätze für Menschen mit einer schweren psychischen Erkrankung entstehen – Betreuungsquote noch offen

Von unserer Redakteurin Yvonne Stock

ANDERNACH 4,5 Millionen Euro investiert die Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF) in ein neues Wohngebäude für 24 Menschen. „Das ist eine gewaltige Zahl für eine relativ kleine Personengruppe“, gab Gerald Gaß, Geschäftsführer des Trägers der RMF, des Landeskrankenhauses, beim Spatenstich zu. Aber es ist auch eine ganz besondere Gruppe Menschen, die dort in rund 18 Monaten einziehen soll.

Menschen, die ganz tief hineingerutscht sind in eine psychische Krankheit, die häufig zu Persönlichkeitsstörungen geführt hat, erklärt Pflegedirektorin Rita Lorse der RZ. Am Anfang stand etwa eine Psychose, ausgelöst durch eine Kombination aus genetischer Disposition, einer starken Verletzlichkeit und einer Stresssituation, etwa dem Beginn des Studiums oder dem Tod des Vaters.

Die meisten Patienten werden dann stationär behandelt, etwa ein Drittel wird wieder vollständig gesund, erklärt Lorse. Ein Drittel erkrankt mehrmals, trägt vielleicht ein Handicap davon, findet aber später in ein relativ normales Leben zurück. Bei einem Drittel wird die Krankheit chronisch, und die Patientenleiden an vielen Begleiterscheinungen. Bei einem ganz kleinen Teil von dieser Gruppe erlässt das Gericht nach Abschluss der klinischen Behandlung einen Betreuungsbeschluss, weil es davon ausgeht, dass diese Patienten eine Gefahr für sich selbst sein können, erklärt Ulrike Berkulin, stellvertretende Heimleiterin der RMF. Sie betont, dass es jeden mit der entsprechenden Disposition treffen kann.

„Wir kämpfen seit rund zehn Jahren für eine bessere Unterbringung dieser Personengruppe“, erzählt Berkulin. Eine geschlossene, geschützte Einrichtung, die zunächst einmal dem großen Ziel Inklusion widerspricht, war politisch lange nicht gewollt, sagt Lorse. Nach einigen Umzügen leben derzeit 18 Menschen ab 18 Jahren bis ins Seniorenalter auf einer Station im klinischen Bereich – was für Bewohner und Mitarbeiter sehr belastend ist. Denn die Patienten leiden oft nicht nur an Ängsten, an dem Gefühl, dass sie etwas auseinanderzerrt oder in sie eindringt, sondern haben auch Probleme, mit Menschen umzugehen, erklärt Lorse. „Viele können keine Beziehungen mehr pflegen.“ Sie können aggressiv reagieren, sie brauchen Rückzugsmöglichkeiten, die ihnen der von Andernacher Architekten entworfene Neubau bieten wird.

Jeweils acht Menschen leben dort wie in einer Wohngemeinschaft zusammen, haben ihr eigenes Zimmer mit Bad. Wenn es einem Bewohner sehr schlecht geht, kann für ihn auch ein abgeschlossener Rückzugsraum geschaffen werden, wo er sich laut Berkulin aber nicht eingesperrt vorkommt. Jede Gruppe hat Gemeinschaftsräume und einen Innenhof. Derzeit, erzählt Berkulin, haben die Mitarbeiter eine hohe Verantwortung, wenn sie entscheiden, ob es einem Bewohner gerade so gut geht, dass er allein nach draußen darf, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass ihm nichts passiert.

Aktuell kommen laut den Frauen auf einen Mitarbeiter drei Bewohner. „Wir hoffen auf eine Quote von eins zu eins“, meint Lorse. Das müsste die Kreisverwaltung finanzieren. „Das ist ein sehr harter Job, die Mitarbeiter brauchen viel Kompetenz und sehr viel Liebe und Langmut.“ Vor allem müssen sie damit umgehen lernen, dass Erfolgsergebnisse Zeit brauchen und es Rückschläge gibt. Zwischen einem halben und drei Jahren bleiben die Bewohner im Schnitt in dieser Gruppe, bevor sie in andere betreute Wohnformen wechseln – es gibt eine lange Warteliste und Nachfrage über das eigentlich Gebiet, den Kreis Mayen-Koblenz, die Stadt Koblenz und Teile der Kreise Westerwald und Cochem-Zell hinaus. „Manche sind schon damit ausgelastet, sich um ihre Körperpflege zu kümmern und pünktlich bei den Mahlzeiten zu sein“, erzählt Berkulin. Andere sind bereits weiter und können an einem guten Tag eine Kreativgruppe besuchen oder in einer Werkstatt arbeiten.

Für einen Übergang in eine weniger intensive Betreuung brauchen die Menschen ein soziales Netz. Das ist oft nicht so einfach neu zu knüpfen. Manche Eltern erwarten bei den ersten Anzeichen einer Besserung sofort, dass ihr Kind jetzt ein normales Leben beginnt, erzählt Lorse. Andere haben gar keinen Kontakt mehr mit ihren Verwandten. „Für das Umfeld ist die Krankheit und ihre Folgen schwer zu ertragen“, sagt die Pflegedirektorin und erzählt, dass sich unter die Gäste eine ehemalige Bewohnerin gemischt hat. „Wenn ich die hier so souverän sehe, dann macht mich das glücklich.“

Die RMF investiert die 4,5 Millionen Euro zunächst allein. Aber Sozialstaatssekretär David Langner zeigte sich optimistisch, dass das Land noch einen Zuschuss gibt für das Gebäude, das hinter dem Ende des Aktienhofs liegt. Oberbürgermeister Achim Hütten lobte die große Toleranz der Nachbarn und der Andernacher allgemein gegenüber den Bewohnern der RMF.

Rhein-Zeitung, 7. September 2016

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