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OB Hütten: Die Erinnerung darf nicht enden

30.01.2017, Gedenktag Stadt, Fachklinik und Patientenverband rufen Verbrechen unter dem NS-Regime ins Gedächtnis

ANDERNACH In einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung haben die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach (RMF), die Stadt Andernach und der Landesverband Psychiatrie-Erfahrener der Hunderttausenden Opfer gedacht, die während der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten zu Tode gekommen sind. Die Kranzniederlegung am Spiegelcontainer an der Christuskirche war geprägt von mahnenden Worten.

Angesichts der jüngsten verbalen Entgleisungen von AfD-Politikern wie Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag mahnte Andernachs Oberbürgermeister Achim Hütten: „Es ist wichtig, jeder Gefahr entgegenzuwirken, die unsere Demokratie bedroht. Die Erinnerung darf nicht enden. Der Erfolg unserer Demokratie ist eng mit der Erinnerung verbunden.“ Dr. Stefan Elsner, ärztlicher Direktor der RMF, bekräftigte: „Der 27. Januar, unsere Erinnerungskultur, ist Teil unserer demokratischen Ordnung.“

Bevor Vertreter von Klinik, Stadt und dem Landesverband am Mahnmal der Opfer des nationalsozialistischen Deutschlands gedachten, gab es einen ökumenischen Gottesdienst in der Kapelle der Fachklinik. In seiner Rede ging Elsner besonders auf das Schicksal der Kinder und Jugendlichen ein, die im Nationalsozialismus ermordet wurden.

Zwischen 5000 und 10 000 junge Menschen wurden damals getötet, weil sie aufgrund von körperlichen und geistigen Behinderungen oder einfach wegen Auffälligkeiten ihres Verhaltens nicht ins Menschenbild der Gewaltherrscher passten. Auch Ärzte aus der Andernacher Klinik beteiligten sich aktiv an den grausamen Verbrechen. Eine Fachabteilung wie in vielen anderen Heilanstalten habe es nach Elsners Erkenntnissen in Andernach nicht gegeben.

Insgesamt wurden zwischen 1941 und 1944 allein aus der damaligen Andernacher Provinzial Heil- und Pflegeanstalt mehr als 1400 Menschen zur Ermordung in die Tötungsanstalt nach Hadamar gebracht oder in andere Lager deportiert. An diese Opfer erinnert der Spiegelcontainer an der evangelischen Christuskirche.

Alljährlich wird am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, den Opfern der Nazis gedacht. Während des Zweiten Weltkriegs wurden unter anderem Behinderte und Insassen von Heilanstalten systematisch umgebracht. Bei den „Euthanasie“-Verbrechen starben mehr als 70 000 Menschen, deren Leben als unwert bezeichnet wurde.

Rhein-Zeitung, 30. Januar 2017

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