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33-jähriger Psychiatriepatient soll in Klinik Pfleger verletzt haben

22.02.2017, Gericht Zum Prozessauftakt stellt Beschuldigter sich als Opfer dar, lehnt Anwalt ab

Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

ANDERNACH Er soll einem Pfleger das Nasenbein gebrochen, einem anderen in den Finger gebissen und ihn bespuckt haben. Doch im Sicherungsverfahren am Koblenzer Landgericht, in dem es um seine Unterbringung geht, hat der 33-Jährige mit dem tätowierten Hals und der Irokesenfrisur die Vorwürfe bestritten und ist durch skurrile Äußerungen aufgefallen: „Die töten mich mit all dem Nervengift“, brüllte er in den Gerichtssaal. Er werde zu Unrecht beschuldigt, habe niemanden attackiert und sei auch nicht psychisch krank.

Laut Antragsschrift aber leidet der 33-Jährige an einer paranoiden Schizophrenie. Im Dezember 2015 wurde er deshalb in der Rhein-Mosel-Fachklinik behandelt. Dort soll es zu einem Gewalteklat gekommen sein, den die Staatsanwaltschaft so zusammenfasst: Am 5. Dezember fällt der Mann dem Klinikpersonal durch impulsives Verhalten auf, bedroht Mitpatienten, läuft schreiend durch die Flure, tritt gegen Scheiben und beleidigt das Personal als Arschlöcher. Gegen 22 Uhr wirft er eine Plastiktasse mit heißem Tee nach einer Pflegerin, verfehlt sie nur knapp. Als ihr ein Kollege zu Hilfe eilt, nimmt der Mann ihn in den Schwitzkasten, schlägt dem Pfleger mit der Faust ins Gesicht – und bricht ihm so das Nasenbein.

Es bedarf zehn Minuten und sechs Pflegern, ehe sich der Patient beruhigen lässt. Laut Antragsschrift soll er währenddessen einem der Pfleger in den Finger gebissen und ihm in den Mund gespuckt haben. Immer wieder schrie er: „Ich bringe euch um!“ Am 29. Dezember soll es zu einem erneuten Wutausbruch gekommen sein. Diesmal zeigte der 33-Jährige einem Mitpatienten den Hitlergruß. Als ihn dieser erwiderte, trat ihm der Mann in den Bauch. Bereits vor Prozessbeginn sorgte er im Gerichtssaal für Aufruhr. Als sein Pflichtverteidiger neben ihm Platz nehmen wollte, herrschte er ihn an: „Wollen Sie mich verarschen? Ich habe gesagt, gehen Sie jetzt!“ Er verlangte nach einem anderen Anwalt, behauptete, das sei nicht der von ihm erwählte Verteidiger. Als Richter und Schöffen den Saal betraten, beantragte er die Verlegung von der Psychiatrie in eine Justizvollzugsanstalt, beschuldigte das Klinikpersonal des Postraubs und der Folter, murmelte etwas in einer Fantasiesprache vor sich hin und brüllte: „Ich bin nicht psychisch krank! Aber nein, für euch bin ich ja nur ein Irrer. Ein irrer Anarchist.“

Der Prozess wird heute fortgesetzt

RZ Andernach & Mayen vom Mittwoch, 22. Februar 2017

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