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Nach Präsentation sind Sorgen kleiner geworden

27.02.2015, Information Viele Fragen rund ums neue Wohnheim beantwortet

ALTENKIRCHEN  In dem neuen Wohnheim für intensiv betreutes Wohnen, das in der Nähe des Altenkirchener Bahnhofs geplant ist (die RZ berichtete), werden keine akut erkrankten Alkoholiker oder Drogenabhängige einziehen. Das machten Vertreter der Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF) aus Andernach, die das Projekt umsetzen will, während einer Informationsveranstaltung mit integrierter Sitzung des Stadtrates deutlich und zerstreuten wohl einige der Sorgen, die sich Bürger der Kreisstadt angesichts der Mund-zu-Mund-Propaganda gemacht hatten. "Nur Menschen mit einer schweren psychischen Erkrankung haben die Möglichkeit, Patient zu werden. Es wird keine körperlichen Übergriffe geben", sagte Karlheinz Saage, Direktor Heime/Heimleiter der RMF, vor rund 40 Zuhörern im Sitzungssaal der Kreisverwaltung. "Es erfolgt keine Aufnahme, die nicht das Teilhabeplanverfahren des Landkreises durchlaufen hat, die also nicht vom Kreis entschieden ist", ergänzte Saage. Klar ist außerdem: Es handelt sich nicht um ein Pflegeheim. Es werden keine bettlägerigen Fälle behandelt.

"Wir haben schon ein sehr, sehr gutes ambulantes Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen, aber noch deutlich zu wenig Möglichkeiten, wenn diese Menschen rund um die Uhr betreut werden müssen", erläuterte Hans-Joachim Schwan, Abteilungsleiter Soziales der Kreisverwaltung. Derzeit sind 90 Menschen aus dem Kreis mit jeweils diesem Krankheitsbild stationär untergebracht. "Wir halten aber selbst nur zehn Plätze vor, die anderen 80 leben in Einrichtungen in anderen Kreisen - beispielsweise in Bad Marienberg oder Saffig", berichtete Schwan. Grundsätzlich gelte für den Kreis als Träger der Sozialhilfe, dass es bei der Finanzierung solcher Behandlungen bei Menschen, die nicht über ausreichend Mittel verfügen, grundsätzlich darum gehe, die stationäre Aufnahme zu verhindern oder zunächst einmal zeitlich hinauszuschieben. Deswegen sei es wichtig, eine ambulante psychiatrische Pflege in dem neuen Wohnheim anzubieten. "Diese wird von den Krankenkassen getragen", meinte Schwan, wodurch die Finanzen des Kreises entlastet würden. Die Kosten für einen stationären Platz setzte Schwan mit 4000 bis 5000 Euro pro Monat an.

Saage blickte ein wenig auf "die Anfänge der Geschichte zurück, die bis ins Jahr 2009 und 2010 reichen. Das Haus ist genau das, was in der Palette noch fehlt". Es sei das richtige Angebot für die Region. Diese These unterstützte Landrat Michael Lieber. "Ich bin schon oft von Menschen angesprochen worden, deren erkrankte Angehörige hier nicht leben können. Und viele hatten Tränen in den Augen", berichtete Lieber aus seiner Tätigkeit auch als Vorsitzender des Psychiatriebeirates auf Kreisebene. Laut Rita Lorse, der Pflegedirektorin der RMF, werden die Patienten in dem neuen Komplex "Unterstützung in Alltagsfertigkeiten, Unterstützung von Bewältigungsstrategien, Unterstützung in Bezug auf die Erkrankung und Unterstützung mit sinnvoller Tagesstruktur" erhalten. Sie sollen zudem regelmäßiger Beschäftigung nachgehen. "Dafür kommen die Werkstatt für behinderte Menschen oder eine Tagesstätte infrage", beschrieb Saage. Ideal wäre es, wenn sie sogar für den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. Aber, auch daran ließ Saage keinen Zweifel: "Die Betreuung im Wohnheim ist im Extremfall lebenslang." Grundsätzlich gebe es für einen Aufenthalt keine Zeitvorgaben.

Altenkirchens Bürgermeister Heijo Höfer betonte, dass alle Beteiligten mit dieser Zusammenkunft "Transparenz" schaffen wollten. Nach seinen Worten sieht das weitere Prozedere so aus: Der Stadtrat müsse nun dem Verkauf des Grundstückes, das sich in städtischem Besitz befindet, an den Träger oder einen Investor zustimmen. "Kleine baurechtliche Kleinigkeiten sind ebenfalls noch abzuklären", zeigte Höfer auf und hoffte, "mit diesem Abend einen weiteren Schritt zur Akzeptanz des Wohnheims geschaffen zu haben".

Rhein-Zeitung, 27. Februar 2015 

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