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Mehr Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen

01.10.2015, Medizin Gesundheitsreport für die Region in Andernach vorgestellt – Trend zum Hirndoping

ANDERNACH Arbeitnehmer im Landkreis Mayen-Koblenz und der Stadt Koblenz waren im vergangenen Jahr deutlich länger als 2013 wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben. Das hat der DAK-Gesundheitsreport ergeben, der vor Kurzem in der Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF) in Andernach vorgestellt wurde. Dabei ging es auch um die zunehmende Tendenz Berufstätiger, sich mit Medikamenten zu dopen.

Am häufigsten waren Arbeitnehmer aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen krankgeschrieben. Diese Diagnose war Ursache für jeden fünften Fehltag in der Region. Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände kamen laut des Reports mit 19 Prozent Anteil an den Fehltagen auf den zweiten Platz. Hier gab es einen Anstieg um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grund dafür waren mehr Fälle und eine längere Erkrankungsdauer.

"Wir beobachten seit Jahren eine erhebliche Nachfrage an teil- und vollstationärer Behandlung bei psychischen Erkrankungen", sagte Stefan Elsner, ärztlicher Direktor der RMF. Gerade Depressionen spielten dabei eine sehr große Rolle. In Rheinland-Pfalz sind die Fehltage durch psychische Erkrankungen seit dem Jahr 2000 von 119 auf 257 Tage pro 100 Versicherte gestiegen, sagte Jürgen Wilhelm von der DAK-Gesundheit Koblenz. 282 Fehltage wegen psychischer Krankheiten kamen im vergangenen Jahr auf 100 Versicherte aus der Region und damit mehr als im Landesschnitt.

Insgesamt ist der Krankenstand in der Stadt Koblenz und im Landkreis Mayen-Koblenz laut dem Report im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2013 etwa konstant geblieben. Mit 4 Prozent krankgeschriebenen Arbeitnehmern pro Tag hatte die Region einen etwas niedrigeren Krankenstand als der Landesdurchschnitt (4,1 Prozent).

Die Krankenkasse untersuchte in ihrem Gesundheitsreport auch den Trend "Hirndoping im Job". Für die Studie hat sie die Daten ihrer Mitglieder analysiert und bundesweit 5000 erwerbstätige Männer und Frauen befragt. Ein Fazit: In Rheinland-Pfalz nutzen 33 000 Beschäftigte mindestens zweimal im Monat verschreibungspflichtige Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen. Häufig werden dafür Muntermacher und Antidepressiva eingesetzt, aber auch Betablocker, ADHS-Pillen und Antidementiva. Insgesamt gaben 6,9 Prozent der Berufstätigen in Rheinland-Pfalz an, wenigstens einmal im Leben gedopt zu haben. Die häufigste Bezugquelle ist übrigens die Apotheke mit einem Rezept vom Arzt.

"Auch wenn Doping im Job noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal", meinte Wilhelm. Nach Angaben von Elsner steckt dahinter der Versuch, dem Leistungsdruck besser gerecht zu werden und Versagensängste zu mildern. Nebenwirkungen und Suchtgefahr seien dabei aber nicht zu unterschätzen. "Besonders bedenklich ist Hirndoping dann, wenn damit eigenmätchtig die Symptome psychischer Störungen wie Depressionen beä¤mpft werden sollen", sagte Elsner. Männer greifen dem Report zufolge eher zu leistungssteigernden Mitteln, Frauen nehmen häufiger Stimmungsaufheller ein. Vor allem Erwerbstätige mit einfachen Jobs haben ein erhöhtes Doping-Risiko, genau wie Beschäftigte mit einem unsicheren Arbeitsplatz. "Dort, wo Erfolge im Beruf weniger sichtbar sind, ist die Gefahr, durch stimmungsaufhellende oder angsthemmende Mittel nachzuhelfen, größer geworden", erklärte Elsner.

Rhein-Zeitung, 1. Oktober 2015

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