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Lärm in der Frühe blockiert Baustart

11.07.2016, Wohnheim Von RMF in Auftrag gegebenes Gutachten belegt Überschreiten der Grenzwerte

ALTENKIRCHEN Rückschlag für die Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF) aus Andernach, die in der Nähe des Altenkirchener Bahnhofs ein Heim für intensiv betreutes Wohnen schaffen möchte: Der Bauantrag liegt vorerst „auf Eis“, weil laut eines Gutachtens, das die RMF in Auftrag gegeben hat, die Lärmbelästigung durch Triebwagen der Hessischen Landesbahn (HLB), die täglich in aller Frühe und in unmittelbarer Nähe zum Baugrund für den Einsatz vorbereitet werden, zu hoch ist. „Die Grenzwerte werden deutlich überschritten“, sagte Karlheinz Saage, Direktor Heime/Heimleiter der RMF, auf Anfrage unserer Zeitung. Laut Burkhard Heibel, Leiter der Abteilung Infrastruktur im Altenkirchener Rathaus, habe die Stadt als Emissionsschutzbehörde die Deutsche Bahn in Limburg um eine Stellungnahme gebeten, aber noch keine Antwort erhalten.

Für die RMF kommt laut Saage nicht in Frage, irgendwie gearteten Lärmschutz zu bauen. Der Abstand zum Gleiskörper sei ohnehin schon nicht groß, „unsere Bewohner wollen mit Sicherheit nicht aus dem Fenster auf eine Wand schauen“, lehnte er rundherum eine solche Maßnahme ab. Die Realisierung komme zudem nicht an anderer Stelle in Altenkirchen in Frage. „Uns sind zwei weitere Grundstücke angeboten worden, die aber nicht unseren Vorstellungen entsprechen, weil sie auch zu weit entfernt vom Zugang zum Personennahverkehr liegen. Wir haben uns bewusst für dieses Areal wegen der Nähe zum Bahnhof und Busbahnhof entschieden. Unsere Bewohner sollen am öffentlichen Leben teilhaben“, führte Saage aus. An der Vorbereitung der Triebwagen, die um circa 4 Uhr beginnt, kommt die HLB absolut nicht vorbei. „Das nimmt pro Fahrzeug 30 bis 40 Minuten in Anspruch“, beschrieb Markus Höpoltseder, Betriebsleiter des Eisenbahnunternehmens am Standort Siegen. Die Dieseleinheiten, die zwischen dem Feierabend und dem Neustart am nächsten Morgen nur wenige Meter von den Bahnsteigen entfernt geparkt werden, hängen zudem an externem Strom, mit dem „die Aggregate am Leben gehalten werden“. In erster Linie wird mit dem Start der Züge, dem sogenannten Vordienst, für den die Triebzugführer verantwortlich sind, Luft für das Bremssystem erzeugt. Keine Luft bedeute keinen Druck, bedeute, dass sich „die Bremsen nicht lösen lassen“, wie es Höpoltseder ausführte. Dass die Zeit des Warmlaufens den Anwohnern manchmal sehr lange vorkäme, liege daran, dass nicht ein Zug, sondern drei bis vier zu unterschiedlichen Zeiten für den Dienst auf der Strecke getrimmt werden müssten. „Altenkirchen ist ein wichtiger Schnittpunkt, ein Mittelpunkt unseres Netzes“, ergänzte Höpoltseder und merkte schließlich noch an, dass es durchaus Unterschiede in der Vorhaltung in der Zahl der Triebwagen zwischen normalen Werktagen und Tagen am Wochenende gibt.

Der Baubeginn des Wohnheims, eigentlich für „zwischen August und Oktober“ des vergangenen Jahres geplant, hatte sich zunächst bis ins Frühjahr verschoben, weil die RMF erst abklären wollte, ob sie selbst als Bauherr auftritt oder die Erstellung einem Investor überlässt, um dann als Mieter einzuziehen. „Wir bauen selbst“, nannte Saage die inzwischen getroffene Entscheidung, bevor sich das Probleme mit der Lärmbelästigung ergab.

Geschaffen werden sollen 24 Plätze in dem neuen Gebäude. Kleine Wohngruppen mit bis maximal acht Bewohnern, ausgerichtet auf den hohen Unterstützungsbedarf, werden ergänzt von acht Apartments für intensiv betreutes Einzelwohnen im Rahmen eines vollstationären Betreuungsrahmens. Für Diplom-Architekt Michael Summerer vom Architektenbüro Summerer und Fischer aus Andernach stand bei der Planung im Vordergrund, für die Menschen „ein gutes Zuhause zu schaffen“. Er will ein Pendant zum markanten Bahnhof setzen, um die städtebauliche Situation auf dem brachliegenden Gelände parallel zur Wiedstraße und im Anschluss an Wohnmobilstellplatz und Stromtankstelle aufzuwerten.

Aufgrund des Grundstückzuschnitts soll das Haus zweigeschossig, 60 Meter lang und 16 Meter breit werden. Den umbauten Raum gab Summerer mit rund 6300 Kubikmetern, die Kosten mit circa 3,5 Millionen Euro an. Geschaffen werden 15 bis 18 Voll- und Teilzeitstellen mit einem Lohnvolumen von rund 600 000 Euro im Jahr.

Rhein-Zeitung, 11. Juli 2016

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