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Was ist ein Schlaganfall?

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für lebenslange Behinderung in den industrialisierten Ländern.

Unser Gehirn ist eines der wichtigsten Organe, das wir besitzen. Es wird durch die Pumpfunktion des Herzens reichlich mit Blut und Sauerstoff versorgt. Die Nervenzellen verbrauchen ca. 20% des von uns eingeatmeten Sauerstoffes, um ihre Aufgabe wahrzunehmen. Alle lebenswichtigen Funktionen wie die Atmung, Herzrhythmus, Bewusstsein und das Denken werden im Gehirn gesteuert. Hierzu muss das Gehirn kontinuierlich mit Blut versorgt werden. Dies geschieht über die zwei großen Halsschlagadern sowie zwei kleinere Arterien, die im Bereich der Halswirbelsäule insbesondere das Kleinhirn sowie den Hirnstamm versorgen.

Kommt es in bestimmten Arealen des Gehirnes zu einer mangelnden Nährstoffversorgung entsteht ein Schlaganfall, wobei die minderversorgten Hirnareale ihre normale Funktion nicht mehr aufrecht erhalten können und absterben. Meistens (ca. 85%) liegt eine Verminderung der Durchblutung vor, in 15% aller Fälle kommt es zu einer Blutung in das Hirngewebe.

Die Verminderung der Hirndurchblutung kann verschiedene Ursachen haben:
Unter einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) versteht man die Ablagerung von Kalkbestandteilen sowie Blutfetten im Bereich der Gefäßwand. Sie kann durch eine ungesunde Lebensführung sowie durch zahlreiche Risikofaktoren (siehe unten) begünstigt werden. Im Laufe der Jahre kommt es zu einer zunehmenden Einengung von Hirngefäßen. Beträgt diese Einengung eines hirnversorgenden Gefäßes mehr als 70 bis 80% des normalen Gefäßdurchmessers, kann die Blutversorgung des betreffenden Hirngewebes beeinträchtigt werden. Sinkt z.B. der Blutdruck eines Patienten unter einen kritischen Wert ab, so wird das von einem stark eingeengten Blutgefäß versorgte Hirnareal nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und es kann zu einem Schlaganfall kommen. In diesem Fall spricht man von einem hämodynamischen Infarkt. Aus einem arteriosklerotischen Gefäß kann sich aber auch ein kompletter Gefäßverschluß entwickeln. Ist die Oberfläche der Kalkablagerungen rauh, können hier Blutplättchen aktiviert werden und aneinander haften. Erreichen sie eine kritische Größe, können die Blutgerinnsel mit dem Blutstrom abgespült werden und gelangen so in die immer feiner werdenden Äste des Hirngefäßbaumes, bis ihr Durchmesser größer ist als der des Gefäßes und sie das Gefäß verschließen - diesen Vorgang nennt man Thromboembolie.

Die Blutgerinnsel können auch im Herzen entstehen, beispielsweise durch ungenügende oder unregelmäßige Kontraktion des Herzmuskels, wie z.B. bei Herzrhythmusstörungen oder nach Herzinfarkt. Bei vielen Patienten kommt es auch zu arteriosklerotischen Veränderungen an den feinen Hirngefäßen selbst, insbesondere scheint hier die Diabetes mellitus eine Rolle als Risikofaktor zu spielen. Verschließen sich die kleinen Gefäße kommt es zu kleinen Schlaganfällen, die jedoch bei Betroffensein wichtiger Strukturen durchaus auch zu schweren Ausfallerscheinungen führen können. Hinzu kommt, dass durch den Befall vieler Gefäße häufig auch mehrere Schlaganfälle vorliegen können. Man nennt die Veränderungen der kleinen Hirngefäße auch Mikroangiopathie. Auch Gefäßentzündungen können zu einer Mikroangiopathie führen.

Die zweithäufigste Ursache für einen Schlaganfall sind Hirnblutungen. Sie sind für 10% bis 15% aller Schlaganfälle verantwortlich. Zugrunde liegt das Einreißen eines Gefäßes mit Entstehung einer Blutansammlung im Gehirn. Sowohl durch Veränderung der Gefäße (Arteriosklerose mit Verlust der Elastizität, Gefäßmissbildungen oder -tumore) als auch durch einen erhöhten Blutdruck oder durch traumatische Ereignisse kann eine Hirnblutung ausgelöst werden.

Risikofaktoren für einen Schlaganfall
  • Alter
  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen
  • Blutzuckererkrankung (Diabetes mellitus)
  • Nikotinabusus (Rauchen)
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Alkoholkonsum
  • Übergewicht
  • Migräne
  • Erbrisiko
Klinische Verlaufsformen eines Schlaganfalls

Wenn eine Durchblutungsstörung nur kurzzeitig besteht und sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden wieder zurückbilden, spricht man nicht von einem Schlaganfall sondern von einer transienten-ischämischen Attacke (TIA). TIA's sind Warnsignale für einen drohenden Schlaganfall und sollten ebenso ernst genommen werden wie fortbestehende Durchblutungsstörungen. Zur Vermeidung weiterer Ereignisse muss eine stationäre Abklärung der Schlaganfallursache erfolgen.

Dauert die Durchblutungsstörung länger als 24 Stunden an und bildet sich die neurologische Symptomatik innerhalb von höchstens 7 Tagen wieder komplett zurück, so spricht man von einem prolongierten reversiblen ischämisch neurologischen Defizit, einem sogenannten PRIND. Hier geht man davon aus, dass das Gehirn durch seine Anpassungsfähigkeit in der Lage ist, den Untergang einiger weniger Nervenzellen zu kompensieren (Plastizität). Erst wenn sich die Ausfallerscheinungen nicht mehr zurückbilden spricht man von einem kompletten Hirninfarkt, einem ischämischen Schlaganfall. Hierbei sind bestimmte Hirnfunktionen für immer erloschen und erste Priorität hat neben der Rezidivvermeidung die rasche Rehabilitation.

Folgen eines Schlaganfalles

Wird die Blutversorgung der Nervenzellen gestört, stellen sie sich zunächst auf einen "Notstoffwechsel" um, der die Zelle zwar noch am Leben lässt, ihr jedoch keine "Arbeit", also Funktion mehr gestattet. Nach kurzer Zeit, abhängt davon, wie stark die Blutzufuhr gestört ist, sterben diese Zellen jedoch endgültig ab. Durch eine frühzeitige Therapie können einige Hirnareale vor dem Zelluntergang bewahrt werden, insbesondere in den Randgebieten des Schlaganfalls.

In einigen Fällen kann das verschlossene Gefäß innerhalb eines sehr engen Zeitraumes (3 bis max. 6 Stunden) durch Gabe eines Medikamentes wieder geöffnet werden. Dieses Verfahren ist nur in ausgewählten Fällen erfolgversprechend, die Indikation kann nur nach sorgfältiger Auswertung verschiedener Untersuchungen gestellt werden. Weder der Patient selbst noch der Notarzt kann jedoch entscheiden, ob eine derartige Therapie in Frage kommt, so dass prinzipiell jeder Patient in diesem Therapiezeitfenster von 3 Stunden in einem entsprechenden spezialisiertem Zentrum sein sollte.

Klinische Symptome
  • Sehstörungen
  • Kribbelmissempfindungen
  • extrem starker Kopfschmerz
  • Schwäche, Lähmung oder Gefühlsstörung einer oder mehrerer
  • Gliedmaßen, üblicherweise halbseitig verteilt, Gesichtsschwäche oder
  • Asymmetrie (gleichseitig oder gegenseitig zur Gliedmaßenschwäche)
  • Sprachstörungen
  • Sprechstörungen (Dysarthrie)
  • Störung des Gesichtsfeldes
  • Bewusstseinsveränderungen: Verwirrtheit, Erregtheit, Stupor oder Koma, epileptischer Krampfanfall, Schwindel, Doppelbilder, einseitiger Hörverlust, Übelkeit, Erbrechen, Ataxie (Unfähigkeit der gleichmäßigen Bewegungsausführung)
Notfallversorgung durch die Angehörigen

Da beim Schlaganfall, genau wie beim Herzinfarkt, jede Minute zählt, ist es wichtig, dass Angehörige über die Notfallrufnummer (112) sofort den örtlichen Rettungsdienst informieren. Wichtige Zeit kann verloren gehen, wenn zuerst Angehörige oder der Hausarzt informiert werden. Nachfolgend sollte man dem Betroffenen helfen, enge Kleidungsstücke zu öffnen oder zu entfernen, ihn beruhigen und für eine ausreichende Sauerstoffversorgung sorgen. Auch sollte man für freie Atemwege Sorge tragen. Hierzu ist es unter Umständen anzuraten, Zahnprothesen zu entfernen.

Bewusstlose Patienten müssen in die stabile Seitenlage gebracht werden und die Atmung sowie der Herzschlag sollten ständig überwacht werden. Setzt die Atmung oder der Herzschlag aus, muss sofort mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung und einer Herz-Druck-Massage begonnen werden. Trifft der Arzt ein, ist es wichtig, eine kurze Information über die Uhrzeit des Auftretens der Symptome, weitere Vorerkrankungen sowie Medikamente abzugeben. Ein bereits vorher erstellter Medikamentenplan ist in solchen Notsituationen mit der verständlichen Aufregung oft sehr hilfreich.

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