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Erster Schritt - Letzter Schluck (ES-LS)

Bei ES-LS handelt es sich um ein Projekt der Rhein-Mosel-Fachklinik und des Jobcenters Mayen-Koblenz, dass vom Landesdrogenbeauftragten, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familien und Frauen Rheinland-Pfalz, finanziell unterstützt wird. Es richtet sich an Personen im SGB II Bezug, bei denen ein problematischer Alkoholkonsum vermutet wird. 

Bei Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit sind die Möglichkeiten der beruflichen Wiedereingliederung häufig stark eingeschränkt. Die Einleitung von berufsfördernden Maßnahmen oder die direkte Vermittlung in den Arbeitsmarkt scheitern häufig und führen zu Frustrationen bei Beratern und Betroffenen. Mit Beginn einer kritischen Auseinandersetzung bzgl. des Konsums, dem Eingestehen der Abhängigkeit und der Einleitung abstinenz-fördernder Maßnahmen, wie z.B. der Besuch einer Selbsthilfegruppe und/oder Suchtberatungsstelle, wird eine Planung und Umsetzung von Schritten zur beruflichen Wiedereingliederung realistischer.

Das Fehlen eines Arbeitsplatzes bedeutet häufig den Verlust von Anerkennung der persönlichen Leistung, sozialem Status und Identität, sozialen Kontakten. Außerdem geht die Struktur für den Tages- und Wochenablauf (Arbeit/Freizeit, Wach- und Schlafrhythmus) ebenso verloren wie finanzielle Handlungsspielräume. Diese Belastungsfaktoren können unter anderen zum Ausbilden oder Manifestieren einer Suchterkrankung beitragen. Gleichzeitig bedingt eine Abhängigkeit eine Vielzahl von Vermittlungshemnissen, die eine berufliche (Wieder-)Eingliederung erschweren, wie. z.B.  suchtbedingte gesundheitliche Einschränkungen, Verringerung der Arbeitsfähigkeit, Erhöhung von Krankheitszeiten, Überschuldung, justizielle Belastungen sowie fehlende schulische und berufliche Qualifikationen. Mit dem frühzeitigen Erkennen von Suchtproblemen und dem Zuführen von Suchtkranken zu einer Behandlung lässt sich ein Verschlechtern der psychosozialen Lebensbedingungen verhindern.

Zahlreiche nationale wie internationale Studien belegen einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Suchtproblemen und Arbeitslosigkeit. In Deutschland besteht eine 1,6- fach höhere Prävalenz für riskanten Alkoholkonsum und binge-drinking bei Arbeitslosen als bei Erwerbstätigen (Bammann, Helmert, 2000), von Henkel wurde 2000 für Männer sogar ein 2,1-fach erhöhtes Risiko nachgewiesen. Es kann nach der heutigen Studienlage nicht unterschieden werden, ob hier eine kausale Beziehung besteht oder lediglich ein zufälliger zeitlicher Zusammenhang. Einige Untersuchungen legen nahe, dass Personen bei Eintritt der Arbeitslosigkeit ihr Trinkverhalten nicht grundsätzlich ändern. Vielmehr scheinen Personen mit Suchtproblematik ein deutlich höheres Risiko zu haben arbeitslos zu werden.

Das Projekt "Erster Schritt-Letzter Schluck" dient der Klärung, wie sehr eine Person motiviert ist, überhaupt Hilfe oder Beratung zu suchen (Therapiemotivation) oder ihr Verhalten zu ändern (Veränderungsmotivation). Ziel ist es, durch das Lösen von Ambivalenzen gegenüber dem bisherigen Verhalten die Motivation zur Verhaltensänderung zu fördern und das Erarbeiten eines möglichst konkreten Veränderungsplans zu ermöglichen, d.h. konkret den Konsum zu analysieren, die kritische Auseinandersetzung mit dem Konsum anzustoßen bzw. zu verstärken, Abstinenzwünsche zu fördern und den Teilnehmenden an das Suchthilfesystem anzubinden. Ziel dieser frühen Intervention ist also die Motivierung. Durch das Projekt wird eine Verkürzung der Zugangszeiten von Alkoholabhängigen/ -gefährdeten ins Suchthilfesystem angestrebt, um so dass Herausbilden weiterer Vermittlungshemnisse zu vermeiden, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und eine Vermittlung in die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen.

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