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Stimmen befahlen es: Mann würgt Mitpatientin

15.05.2018, Prozess Psychisch kranker 51-Jähriger greift in Andernacher Rhein-Mosel-Fachklinik Frau an

Von unserem Mitarbeiter Thomas Krämer

 

ANDERNACH/KOBLENZ Mit beiden Händen soll er eine Mitpatientin in der Andernacher Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF) gewürgt haben. Dafür musste sich ein 51-Jähriger jetzt vor dem Koblenzer Landgericht verantworten. Der Prozess vor der 14. Strafkammer begann gut zwei Stunden später, da offenbar die Ladung und das Vorführungsersuchen für den Beschuldigten auf dem Weg zu den Zuständigen der Klinik Nette-Gut verschütt gegangen war. Dann aber war er da, ein schmächtiger Mann mit wilden Locken und wildem Bart, der zurzeit aufgrund eines gerichtlichen Beschlusses in einer geschlossenen Station dort untergebracht ist.

 

Die Vorsitzende Richterin Anke Schenkelberg hatte die Verhandlung kaum eröffnet, da unterbrach sie der psychisch kranke Angeklagte: „Ich bin schuldig.“ Damit erschien für ihn die Angelegenheit erledigt, er wollte gehen und fragte noch mehrmals: „Können wir jetzt aufhören?“

 

Dennoch musste er sich die Anklageverlesung durch die Staatsanwaltschaft anhören. Ihm wird vorgeworfen, am 31. Juli 2017 in der RMF eine Mitpatientin von hinten mit beiden Händen gewürgt zu haben. Daher betrachtet ihn die Anklage als für die Allgemeinheit gefährlich.

 

Obwohl er eigentlich nichts dazu sagen wollte, gelang es der Richterin, ihn zur Person und zur Tat zu befragen. „Ich war negativ gewesen, und da habe ich die Frau gewürgt“, gab er an. Verantwortlich dafür sind Stimmen, die er hört. Und er glaubt auch den Grund dafür zu kennen: „Zu viel Sex macht krank. Ich habe mich selber krank gemacht durch den zu vielen Sex.“

 

Die Stimmen sagen ihm, er soll Leute würgen. Die Richterin fragte nach: „Immer?“ Der Beschuldigte korrigierte sofort: „Nicht immer. Ich bin ja nicht den ganzen Tag am Leutewürgen.“ Eine Pflegerin der RMF (30) sagte als Zeugin aus. Sie hatte den Angriff beobachtet und dann eingegriffen. Der Griff zum Hals der Mitpatientin sei aber, sagte sie, leicht zu lösen gewesen.

 

Schwerer gelang jedoch danach die Fixierung des Beschuldigten. „Er hat nach uns geschlagen, getreten und gespuckt“, sagte die Fachkraft aus. Die Richterin legte ihr diverse weitere Protokolle sogenannter Aggressionsereignisse des Patienten vor. Bei einem Teil davon war die Zeugin selbst zugegen. Auf Wunsch des Beschuldigten wurde im Anschluss eine Pause anberaumt. Der 51-Jährige wollte „rumgehen“. Seine Begründung: „Das ist gut für mich.“

 

Nach dieser Pause beschloss die Kammer, dass es wohl sinnvoll sei, die Verhandlung ohne den Mann fortzusetzen. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und der forensisch-psychiatrische Gutachter stimmten zu, und auch der Beschuldigte wollte weg. „Ich bin schuldig und fertig“, meinte er.

 

Danach wurde die Zeugin weiter befragt. „Im gesunden Zustand ist er ein sehr netter Mensch“, gab sie zu Protokoll. Dennoch hatte man wohl auch im Pflegeteam Anzeichen ausgemacht, wann seine Schübe begannen. „Er wirkte dann gequält und unruhig, starrte an die Decke und hörte offenbar Stimmen.“ Manchmal nahm er dann bereitwillig eine Medikation an, jedenfalls litt und leidet der Mann, so die Pflegerin, unter starken Schuldgefühlen.

 

Die Geschädigte ist laut Attest zurzeit nicht vernehmungsfähig, ein weiterer, am Tattag beteiligter Pfleger ist in Urlaub, daher beschloss die Kammer, die Verhandlung am 8. Juni fortzusetzen.

 

Rhein-Zeitung, 15. Mai 2018

 

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