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Klinik: Stefan Elsner prägte immensen Wandel

03.07.2018, Abschied Ärztlicher Direktor der RMF geht in den Ruhestand und blickt auf bewegte Jahre zurück

Von unserer Redakteurin Martina Koch  

ANDERNACH Rund 30 Jahre war Dr. Stefan Elsner – mit einer vierjährigen Unterbrechung in den frühen 90er-Jahren – in leitenden Positionen an der Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF) in Andernach tätig: als Oberarzt der Klinik Nette-Gut, als Chefarzt der Abteilung Allgemeinpsychiatrie und Psychotherapie und schließlich seit 2005 als Ärztlicher Direktor. Vergangene Woche verabschiedete sich der 65-Jährige bei einer Feier in Anwesenheit zahlreicher Kollegen und Weggefährten in den Ruhestand. Unsere Zeitung sprach mit dem Mediziner über seinen Werdegang sowie die Entwicklungen bei der Versorgung psychisch kranker Menschen an der RMF. Folgendes sagt Elsner ...

... zu seiner Berufswahl:

Erst spät im Medizinstudium beschließt Elsner, der 1953 in Hamburg geboren wurde, sich im Bereich Psychiatrie zu spezialisieren: Im zehnten Semester erlebt er erstmals einen schizophrenen Patienten, der an Halluzinationen und Wahnvorstellungen leidet – eine prägende Begegnung. Sein Praktisches Jahr absolviert Elsner als angehender Mediziner in einer psychiatrischen Akutstation – die der in Andernach ähnelt. „Die besondere Nähe, die man dort zu den Menschen hat als Arzt, hat mich fasziniert“, erinnert er sich. Nach seiner Promotion wird der Mediziner 1979 zum Wehrdienst eingezogen: Seinem Wunsch entsprechend leistet er diesen als Stabsarzt im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg in der Abteilung Psychotherapie ab.

... zu seinem Interesse für die forensische Psychiatrie:

Die erste Begegnung mit psychisch kranken Menschen, die Straftaten begangen haben, hat Elsner Anfang der 80er-Jahre als Facharzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Düsseldorf, wo es eine kleine Einheit für Forensik gibt. „Mein Abteilungschef war ein begeisterter forensischer Psychiater, der mich als väterlicher Freund an die Tätigkeit heranführte“, erzählt Elsner. Dass er sich einmal in einem beruflichen Umfeld mit Nähe zur Juristerei bewegen und als Gutachter an Gerichtsprozessen mitwirken würde, hat sich der Mediziner zuvor nicht träumen lassen: „Der Appetit kam beim Essen.“ Als er Ende der 80er-Jahre von der freien Stelle des Oberarztes an der Klinik Nette-Gut erfährt, zögert Elsner, der mit einer gebürtigen Eifelerin verheiratet ist, nicht lange. Auch wenn die Nachricht, dass er künftig mit psychisch kranken Straftätern arbeiten wird, in seinem Umfeld für gemischte Reaktionen sorgt: „Für meine Eltern war das nicht leicht zu verdauen, wurde aber akzeptiert.“

... zu den Meilensteinen seiner Zeit an der RMF:

1996 wird Elsner Chefarzt der Abteilung Allgemeinpsychiatrie und Psychotherapie an der RMF. Seitdem hat sich viel getan: Zunächst wird die damalige Landesnervenklinik, die zuvor dem Ministerium unterstand, in eine neue Rechtsform überführt: Sie ist nun eine Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) mit unternehmensförmigen Strukturen. „Dadurch kam eine ganz neue Dynamik rein“, beschreibt Elsner. Auf dieser Grundlage stoßen Elsner und seine Mitstreiter wegweisende Projekte an: „Was ich ganz wichtig finde: dass wir die Unterbringungsmöglichkeiten der Patienten wesentlich verbessert haben“, betont er im Hinblick auf die umfassenden Sanierungsmaßnahmen, gerade auch im Heimbereich. Des Weiteren erweitert und differenziert sich das therapeutische Angebot der Klinik: „Wir können unseren Patienten die Therapie anbieten, die nach dem heutigen Leitlinienstand erwartet wird.“ Dass die RMF auch im ambulanten Bereich stark aufgestellt ist, macht Elsner besonders stolz: Die Zahl der Tagesklinikplätze wächst, die ambulante psychiatrische Pflege unterstützt seit 2007 psychisch kranke Menschen nach einem stationären Klinikaufenthalt. Das 2010 in Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse entwickelte Programm „Stattkrankenhaus“ ermöglicht sogar, dass Psychosepatienten in akuten Phasen in den eigenen vier Wänden behandelt werden: „Das hat sich bewährt.“

... zu seinem Einsatz gegen die Ausgrenzung psychisch kranker Menschen:

Ein besonderes Anliegen ist Elsner das Engagement gegen die gesellschaftliche Stigmatisierung psychisch Kranker: Er gehört 2010 zu den Mitgründern des regionalen Bündnisses gegen Depression, das sich für die Aufklärung über das Krankheitsbild in der Bevölkerung einsetzt – mit Erfolg, ist Elsner überzeugt: „Da hat es einen erheblichen Bewusstseinswandel gegeben.“ Inzwischen spreche man von der „Volkskrankheit“ Depression ,und auch die Nachfrage nach Therapieangeboten spricht für einen Bewusstseinswandel: „80 Prozent der Patienten kommen auf freiwilliger Grundlage zu uns.“

... zur aktuellen Situation bei der Versorgung psychisch Kranker in der Region:

Bei der Behandlung von Menschen mit Depressionen gibt es in der Region dennoch Luft nach oben, weiß Elsner: „Es hat sich enorm viel getan, aber das Therapieangebot hinkt hinter dem Bedarf her.“ Gerade Menschen mit leichten oder mittelschweren Depressionen, die nicht als Notfallpatienten in der Klinik versorgt werden müssen, brauchen einen langen Atem, bis sie einen Ersttermin beim Psychiater oder einen Therapieplatz bekommen. „Die Mehrheit der Patienten mit Depressionen wird von Hausärzten behandelt“, beschreibt Elsner die Auswirkungen der Knappheit an Psychotherapieplätzen.

... zu seinen Plänen für den Ruhestand:

Die RMF verlässt Elsner mit dem sprichwörtlichen „lachenden und weinenden Auge“: „Es hat mir immer viel Spaß gemacht, in dieser Atmosphäre zu arbeiten. Wir entwickeln uns fachlich und im Sinne unserer Patienten weiter.“ Gleichzeitig freut sich Elsner aber auch, jetzt Zeit für Dinge zu haben, die in den vergangenen Jahren zu kurz kamen – etwa für den Besuch von Kulturveranstaltungen. „Ich möchte auch mein Klavier wiederentdecken und mehr Sport treiben, als ich es als Schreibtischtäter konnte.“ Der Region bleibt das Ehepaar Elsner dabei treu: „Wir leben gern am Rhein.“ Auch dem Landeskrankenhaus wird Elsner in den kommenden Jahren verbunden bleiben: als Mitglied des Klinischen Ethikkomitees, welches bei moralischen Konflikten im Klinikalltag berät.  

Rhein-Zeitung Andernach & Mayen, 3. Juli 2018

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