Zu den Inhalten springen

Navigation

Suche

twitter

Servicenavigation

Funktionen

| Schriftgröße
 

Presse Detailansicht

Ärztlicher Direktor referiert bei der Kolpingsfamilie

23.07.2018, Dr. Stefan Elsner besucht den Seniorenkreis der Kolpingsfamilie Andernach und informiert über Depressionen im Alter

ANDERNACH Das Jahresprogramm enthält regelmäßig ein Gesundheitsthema, zu dem ein Mediziner aus der Region Stellung bezieht. Gerade noch rechtzeitig vor seiner Pensionierung war der Ärztliche Direktor der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach Dr. Stefan Elsner, der auch Chefarzt der Abteilung für Allgemeinpsychiatrie und Psychotherapie I ist, mit einem Vortrag über psychische Störungen und insbesondere die Depressionen zu Gast beim Seniorenkreis. Dementsprechend war der Kolpinghaussaal trotz der sommerlichen Temperaturen gut besetzt.

Nach kurzer Begrüßung durch den Seniorenkreisleiter und der Gratulation zum Geburtstag seit der letzten Veranstaltung wurde zunächst die Kaffeetafel eröffnet; auch sie ist eine feste Größe bei Kolping. Anschließend wurde Dr. Elsner besonders willkommen geheißen und verwies in seinem Referat zunächst auf die allgemeine Darstellung und ging nachfolgend im speziellen auf Depressionserkrankungen im Alter ein.

Schon die ersten allgemeinen Feststellungen, dass in jedem Jahr die Depressionen besonders viele Menschen (ein Drittel der Bevölkerung) besonders lange, mehr als alle anderen Erkrankungen, und schwer beinträchtigen, ließ aufhorchen. So ist es nicht verwunderlich, dass derzeit etwa fünf Prozent der Bevölkerung Deutschlands an Depressionen leiden, die behandelt werden müssen; das sind immerhin rund vier Millionen Menschen. Frauen sind zwei- bis dreimal so oft wie Männer von dieser Krankheit betroffen. Im Alter verringert sich aber dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Depressionen wirken sich negativ auf eine Zuckerkrankheit oder einen Herzinfarkt aus. Was betroffen machte: Zehn bis 15 Prozent der Patienten mit einer schweren Depression versterben durch eine Selbsttötung. Im höheren Lebensalter ist die Depression neben einer Demenz die häufigste psychische Störung. Im Alter von 65 plus und älter sind zehn Prozent depressiv, wobei in Alten- und Pflegeheimen 20 bis 40 Prozent der Bewohner unter dieser Krankheit leiden. Eine Diagnose ist nicht unproblematisch, weil die Betroffenen ihr Leid eher verschleiern, als offen damit umzugehen. Des Weiteren bestimmen oft körperliche Gebrechen das Bild, während der psychische Auslöser für die Erkrankung oft weniger akzeptiert wird. Insofern gibt es neben der eigentlichen Erkrankung auch weitere Begleiterkrankungen, was dazu führen kann, dass gelegentlich die Depression als normale Begleiterscheinung des Alters verkannt wird. 

Neben der Befragung des Betroffenen zur Krankengeschichte und der Verhaltensbeobachtung sind auch die Mitwirkung der Angehörigen, ein psychologischer Test sowie eine gründliche körperliche Untersuchung erforderlich. Dazu gehören sicherlich eine Blutuntersuchung, ein EEG oder auch die Computertomografie und eine Kernspintomografie. 

Besonders wichtig ist eine Abgrenzung zwischen Depression und Demenz. Anzeichen für diese Erkrankung können eine gedrückte depressive Stimmung, Freudlosigkeit und mangelndes Interesse sowie eine Antriebslosigkeit und erhöhte Ermüdungserscheinungen sein. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Krankheitszeichen. Als Beispiele seien genannt ein vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Schlafstörungen oder auch Appetitlosigkeit. 

Letztlich ist eine Therapie bei Depressionen keine Einbahnstraße, sondern vielschichtig, wobei die Psychotherapie, die Behandlung mit entsprechenden Medikamenten sowie sozialtherapeutische Maßnahmen, die ein starkes Einbinden des Patienten bedingen, im Vordergrund stehen. Hinzu kommen noch die Ergotherapie und die Physio- und Sporttherapie, wobei Bewegung die Behandlung einer Depression unterstützen kann. So ist Sport in vielen Kliniken Teil des Therapieplanes. Bei der Verabreichung von Antidepressiva muss unbedingt die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten berücksichtigt werden, wobei auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Labor, EKG) notwendig sind. 

Zum Abschluss wies Dr. Elser darauf hin, dass sich in der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach die einzige gerontopsychiatrische Spezialabteilung im Norden von Rheinland-Pfalz befindet, die drei Stationen mit 72 Betten umfasst. Neben fünf integrierten Tagesklinikplätzen gibt es auch eine Institutsambulanz, deren Mitarbeiter die Patienten am Wohnort oder in mehreren Altersheimen aufsuchen sowie eine Geriatrische Tagesstätte mit 15 Plätzen in Andernach. Nach seinem rund anderthalbstündigen Vortrag stand Dr. Elsner noch zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung, die von ihm umfassend beantwortet wurden. 

Lang anhaltender Applaus zeigte, dass dieses Thema sehr interessant war und entsprechend von ihm abgehandelt werden konnte. Hierfür dankte ihm Josef Nonn als Seniorenkreisleiter mit herzlichen Worten, überreichte ihm ein kleines Präsent und wünschte ihm auch für seinen anstehenden, verdienten Ruhestand alles Gute und beste Gesundheit. Mit dem Hinweis auf die nächste Veranstaltung und dem Kolpinglied endete ein sehr informativer Nachmittag. 

Rhein-Zeitung, 23. Juli 2018

© Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach 2019 | Impressum | Datenschutz